Die WM des Lichts

von Redaktion

Was war gleich wieder die Herausforderung 2010 in Südafrika? Wir erinnern uns: unterschiedlichste Höhenlagen. Johannesburg 1800 Meter über dem Meeresspiegel. Kapstadt: am Meer.

2014 in Brasilien: unterschiedlichste Klimazonen. Fortaleza (Ghana-Spiel) 35 Grad am Mittag. Porto Alegre (Algerien) 10 Grad, alles grau.

Und was 2010 und 2014 auch besonders war: Winter-WM auf dem jeweiligen Kontinent. Um 17 Uhr war die Sonne weg, und die Nacht brach herein. Auch über die Palmen und die plätschernden Wellen des Campo Bahia.

Russland ist keine Höhen- oder Temperaturunterschieds- und keine Winter-WM. Die Spielorte liegen ebenerdig, und selbst Kasan und St. Petersburg wuchten sich dieser Tage konstant über die 20-Grad-Marke. Wo also liegt die Herausforderung?

Die WM-Städte 2018 haben den Lichtschalter nicht in gleicher Höhe angebracht. Vergleichen wir nur Moskau (und somit Watutinki) mit Sotschi, dem derzeitigen Aufenthaltsort der deutschen Mannschaft. Die Daten von Moskau. Sonnenuntergang 21.16 Uhr, Sonnenaufgang 3.43 Uhr. Dauer der Nacht somit: keine sechseinhalb Stunden. Kein Wunder, dass der Nationalspieler aus dem Schlaf gerissen wird und gegen Mexiko folglich unausgeschlafen wirkte. Sotschi hingegen spendiert satte achteinhalb Stunden Nacht – von 20.04 bis 4.38 Uhr. Die Nacht ist bereits um neun Uhr abends so tief, dass man aus den Hotelbalkonen das Lichtspiel des Fisht-Stadiums bestaunen kann (siehe Bild). Man kommt zur Ruhe, und leise betritt das Sandmännchen das Zimmer. Darum fährt der russische Tourist am liebsten hierher ans Schwarze Meer. Hier behelligt ihn die Sonne nicht so früh, sie lässt ihn ausschlafen.

Die kürzesten Nächte hat St. Petersburg. Es ist die Zeit der „Weißen Nächte“ in der nördlich gelegenen Metropole. Wenn Sie diesen Artikel lesen, hat Petersburg seine Jahresrekord-Nichtnacht gerade hinter sich. Offiziell war dann zwischen 22.24 und 3.33 Uhr kein Tag, es wurde aber selbst da nicht dunkel.

Genialer Plan des DFB, nicht Gruppenerster zu werden. Er hätte sonst demnächst nach St. Petersburg gemusst. So geht er den Achtelfinal-Weg über Samara (sieben Stunden Nacht) und erlebt Petersburg erst im Halbfinale am 10. Juli. Lange nach den Weißen Nächten. Dem DFB ist da einfach ein Licht aufgegangen!

Günter Klein

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