Im Haus des Ex-Fußballers John Terry streikte neulich der Fernseher. Die Sportwelt weiß das, seit Terry, einst knallharter, fußballerisch limitierter Abwehrchef des FC Chelsea, damit einen Fauxpas erklären wollte. Als in der BBC eine Frau das Spiel Portugal – Marokko kommentierte, hatte er im Internet geätzt, er müsse die Partie ohne Ton anschauen. Auf den wohlverdienten Shitstorm reagierte er mit dem Hinweis auf Audio-Probleme an seinem Fernseher.
Diese Ausrede ist so dämlich, dass man Terry gar nicht den tumben Chauvinismus vorwerfen möchte (der schlimm genug wäre), sondern seinen eklatanten Mangel an Originalität. Er befindet sich gleichwohl in unguter Gesellschaft. Würde man all die Fälle von Sexismus, Überheblichkeit und peinlichem Ungeschick auflisten, die in den letzten Tagen zusammengekommen sind, käme man aus dem Fremdschämen nicht mehr raus.
In Deutschland sorgt der Umgang mit der ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann seit Beginn der WM für Diskussionen und auch für Unbehagen. Die Kritik an ihr klingt wie aus den 50er-Jahren. Sie richtet sich vordergründig (wenn überhaupt) gegen sachliche Patzer und fachliche Fehleinschätzungen. Aber was vielen Zuschauern und Usern in den Onlineforen am meisten missfällt, ist erkennbar die Tatsache, dass eine Frau es wagt, über Fußball zu sprechen.
Das Fatale ist, dass im Umfeld einer WM die Hemmschwelle insgesamt absinkt. Bei manchen Männern brennen dann alle Sicherungen durch, Grenzüberschreitungen werden zum ganz normalen Wahnsinn. Werbemenschen preisen den Kuchen an, mit dem eine Frau ihren Mann glücklich machen soll, oder denken beim Thema Frauen & Fußball ausschließlich an die Komplexität der Abseitsregel.
Mit Abstand am unappetitlichsten aber präsentierte sich die Fastfoodkette „Burger King“. 40 000 Euro stellte sie ihren russischen Kundinnen in Aussicht, dazu einen lebenslangen Burger-Vorrat. Bedingung: Sie müssten sich von einem Fußballer schwängern lassen. Man muss kein Gourmet sein, um bei diesen Burgern Übelkeit zu verspüren.