München – Gut 4000 Euro kostet die Bahncard 100, mit der man ein Jahr lang sämtliche Zugstrecken in Deutschland fahren darf. Daniel Bierofka, neuerdings Pendler zwischen München und Hennef, hat sich jetzt ein solches Dauerticket besorgt. „Für die 2. Klasse“, wie der 1860-Trainer betont. Soviel Bodenständigkeit muss sein, auch wenn der neue Vertrag des Aufstiegshelden ordentlich aufgemörtelt sein wird (dem Vernehmen nach 30 000 statt 15 000 Euro pro Monat/Red.). In diesen Tagen wird Bierofka seine Unterschrift unter das Schriftstück setzen. „Wir sind kurz vor der Ziellinie“, sagte er gestern nach der ersten Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft.
Weder dieses verstärkte Team noch den Vertrag hätte es gegeben, wäre vor acht Tagen nicht die Einigung der Gesellschafter auf eine Etat-Erhöhung erfolgt. Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel hatten intern Druck gemacht – auch Rücktritte, so hatte Gorenzel durchblicken lassen, seien nicht mehr ausgeschlossen gewesen.
Jetzt ist fast alles in Butter. Der Kader ist bis auf einen Innenverteidiger (wohl der Augsburger Tim Rieder) komplett, rekordverdächtig früh für 1860-Verhältnisse. „Dass wir jetzt schon so weit sind, ist wirklich top“, sagt Bierofka. „Wir brauchen in der Dritten Liga einen breiten Kader. Wir haben 38 Spiele plus Toto-Pokal und hoffentlich ein paar Runden DFB-Pokal.“ Dumm nur, dass Bierofka die Saisonvorbereitung nur als Teilzeitkraft wird leiten können. Von Sonntag bis Mittwoch ist er beim Fußballlehrer-Lehrgang in Hennef, die letzten zwei Wochen vor dem Start Ende Juli wird er komplett verpassen. Für das Lernziel „Spitzenfußball-Analyse“ werden alle 24 Lehrgangsteilnehmer nach Finnland zur U 19-EM reisen.
Die Zeiten, in denen ein Großteil der Gegner Feierabendfußball betrieb, sind bei 1860 vorbei. Dritte Liga, das bedeutet Gegner auf Augenhöhe. Bierofka und Gorenzel setzen auf eine Mischung aus Qualität und Identifikation. Die frisch verpflichteten Stammplatzanwärter Stefan Lex (Ingolstadt), Quirin Moll (geboren in Dachau) und Efkan Bekiroglu (Augsburg) stammen aus dem Münchner Umland. Bierofkas Credo: „Wenn ich mich mit dem Verein identifiziere, kann ich mehr aus mir herausholen.“ Die Einschränkung: „Es hilft mir nichts, wenn ich eine Münchner Auswahl habe, aber die Qualität fehlt.“
Regional und gut
An der eigenen Qualität als Trainer feilt Bierofka im Rheinland. Bis März 2019 dauert der Lehrgang an der DFB-Akademie, 80 Prozent Anwesenheitspflicht erfordern 100 Prozent Vertrauen in Sportchef Gorenzel, der bis dahin den Interimstrainer geben wird. „Es ist schon eine komische Situation“, sagt Bierofka. „Deine Mannschaft trainiert in München, mit dem Kopf bist du in Hennef. Natürlich wäre ich lieber bei der Mannschaft, aber andererseits wollte ich diese Ausbildung machen, es gibt keine Alternative. Ich werde viele gute Sachen mitnehmen können.“ Und die Familie? Bierofka seufzt lächelnd: „Alles geregelt. Meine Frau ist alleinerziehend für die nächsten Monate.“