Boris Becker macht gerade wieder von sich reden, wie so oft auch diesmal nicht wegen seiner Vergangenheit als Tennisspieler. Dabei hat er schon als 17-jähriger Leimener eine Erfahrung gemacht, die im Spitzensport fundamental ist. Schwächephasen sind für einen Athleten nicht nur normal. Sie sind auch wichtig.
Zweimal stand Becker bei seinem ersten Wimbledonsieg nur Millimeter vor dem Aus. Auch in den folgenden Jahren erlebte er bei Grand Slams immer wieder dramatische Momente, aus denen er sich irgendwie befreite. Die meisten dieser Siege wirkten im weiteren Turnierverlauf beflügelnd.
Auch Fußballer kennen das. Die Geschichte großer Siege weist oft ein Kapitel auf, das von einer kapitalen Schlappe handelt. Spanien begann die WM 2010 mit einem 0:1 gegen die Schweiz und beendete sie als Weltmeister. Portugal, der Europameister von 2016, wäre nach drei Remis fast schon vor den Achtelfinals abgereist. Und auch die deutsche Mannschaft schaute im WM-Achtelfinale 2014 gegen Algerien so tief in den Abgrund, dass ihr fast schwindelig wurde.
Unter solchen Umständen dennoch die nächste Runde zu erreichen, kann euphorisieren oder zumindest die Sinne schärfen. Wer fast schon draußen war, dem ist jede Überheblichkeit ausgetrieben. Man muss deshalb nicht so weit gehen wie der deutsche U 21-Trainer Stefan Kuntz, der sich „superfroh“ zeigte, „dass wir gegen Mexiko verloren haben“. Ein Punktgewinn in letzter Sekunde hätte auch ein paar Vorteile gehabt. Aber so kann sich das DFB-Team Boris Becker zum Vorbild nehmen. Als er noch jung und unschuldig war.