Sotschi – Kurz vor der Weltmeisterschaft ist er 40 geworden – sieht aber nicht anders aus als vor vier Jahren, bei seiner letzten WM als Spieler. Nun ist Miroslav Klose im Trainerstab von Joachim Löw dabei (bevor er nach der WM die U 17 des FC Bayern übernehmen wird). Klose kümmert sich beim DFB um die Offensivkräfte. Und ist natürlich als noch amtierender Weltmeister und bester Torschütze der WM-Geschichte einer, an dem man sich orientiert.
-Herr Klose, wer muss am Samstag gegen Schweden im Sturm spielen?
Geht ja schon gut los. Wer? Wir haben ja noch ein paar Trainingseinheiten.
-Dann etwas anders gefragt: Wie muss gespielt werden?
Anders als im ersten Spiel gegen Mexiko, das steht schon mal fest. Egal wer auf dem Platz steht: Von denen muss jeder wissen, was er zu tun hat, und für den anderen da sein. Wenn wir Schweden analysieren: Wir brauchen Läufe in die Tiefe und dafür die Spieler, die diese Läufe machen und nicht immer nur zum Ball gehen, sondern auch das Diagonalspiel suchen und Löcher für andere schaffen.
-Typen wie Marco Reus? So klingt die Jobbeschreibung.
Sie sind lange genug dabei und können sich ja Ihre Meinung bilden,
-Für Sie ist es – in nun veränderter Position – das fünfte WM-Turnier in Folge. Findet sich in Ihrem Erfahrungsschatz eine ähnlich kritische Situation wie die jetzige?
Allererster Knackpunkt war 2001, unsere Relegation gegen die Ukraine, da war ich das erste Mal dabei, wurde zwar nicht eingesetzt, aber habe mitbekommen, was Druckspiele sind. 2009 in Russland, WM-Qualifikation, da ging es auch um sehr viel. Jetzt haben wir gegen Schweden ein Zweiunddreißigstelfinale, so nenne ich es, gegen Südkorea haben wir das Sechzehntelfinale – danach das Achtelfinale.
-Bislang ging es für eine deutsche Nationalmannschaft darum, etwas zu erreichen, der Antrieb war positiv. Nun gilt es etwas zu vermeiden, die Motivation ist eine andere.
Wir haben unter Druck immer unsere besten Spiele gemacht. Darum bin ich für Samstag positiv gestimmt. Jeder muss jetzt liefern. Ich mag auch nicht diese ganzen Ausreden: Rasen zu hoch, Sonne zu tief, Schiri schlecht. Dafür bin ich nicht der Typ. Auf dem Platz fällt die Entscheidung, ich bin immer vorausgegangen und habe versucht, die anderen mitzuziehen. Die Leute, die den Charakter haben, vorneweg zu gehen, die haben wir.
-Und die jungen Spieler?
Wir haben eine gute Mischung. Sieht man die Confederations-Cup-Sieger wie Leon Goretzka, wie die trainieren und die anderen unter Druck setzen – da musst du als gestandener Spieler wirklich was bieten. Von unten wird geschoben, das ist schon immer so gewesen. Die Hierarchie wird umgestellt – nein, das will ich nicht sagen –, sie gleicht sich ein bisschen an. Das ist das Schöne am Fußball: Wenn der Schiedsrichter anpfeift, geht es bei null los, und du musst liefern. Jedes Mal.
-Wer soll führen?
Wir haben doch die Achse. Die Führungsspieler, die auch im Mannschaftsrat sind. Gesprochen wurde genug.
-Doch genau diese Achse mit Kroos, Hummels, Khedira, Müller hat nicht funktioniert gegen Mexiko.
Das haben wir angesprochen. Intern. Geknallt hat es nicht richtig. Wie es schon 2014 war: Man hat halt miteinander geredet. Wichtig ist, dass der Austausch da ist. Man fragt etwa: ,Ist es dir lieber, wenn der Ball halbrechts oder halblinks kommt, welchen Weg soll ich machen, wenn du mit dem Gesicht zum Tor stehst?’ Es wurde sehr viel kommuniziert die letzten Tage, es muss aber am Samstag jetzt auch mal umgesetzt werden.
-Wer zur Achse gehört, sollte auch nicht ausgetauscht werden, oder?
Nee nee nee, die sogenannten Führungsspieler kommunizieren, sie nehmen die anderen Spieler mit ins Boot. Das ist wichtig für die Trainer, zu sehen dass die Achse vorangeht. Diese Spieler haben mehr Erfahrung auf dem Buckel und wissen, was man in diesen Situationen machen muss.
-Inwieweit kann der Ex-Spieler Miroslav Klose ein Leitbild für die 2018-Spieler sein?
Aus wie vielen Löchern bin ich herausgekrabbelt! Es gibt viele Vorwürfe, die an Spieler gerichtet wurden und werden. Aber wenn man mir vorwarf, dass ich nicht gelaufen wäre, das hat mich richtig wütend gemacht. Das gab es nie!
-Gegen Schweden . . .
. . . wird gelaufen werden müssen. Das ist eine kompakte Mannschaft, es wird ein schweres Spiel, und auch auf die Laufleistung ankommen.
Aufgezeichnet von Günter Klein