Watutinki – Das wäre was, wenn es dazu käme: Dass aus der deutschen Gruppe per Los ermittelt werden muss, wer das Achtelfinale erreicht. Der Eventualfall ist möglich, wenn das DFB-Team 0:1 gegen Südkorea unterliegt und Schweden mit gleichem Ergebnis Mexiko. Oder: Deutschland und Schweden gewinnen ihre Spiele 1:0. In diesen Fällen – und wenn auch in der Fairplaywertung Gleichstand herrschte – käme es zu einem Losentscheid. Marco Reus sähe sich dann „vor einem Fernseher sitzen“.
Das wäre tatsächlich so. Am Mittwoch um 17 Uhr Ortszeit sind parallel die beiden Spiele der Gruppe, das deutsche in Kasan, Mexiko – Schweden in Jekaterinburg. Gefällt würde die Entscheidung um 19 Uhr russischer Zeit in Moskau, im Spartak-Stadion, wo später Brasilien – Serbien ausgetragen wird. Schauplatz wäre der Pressekonferenzraum, es gäbe zur Prozedur einen Livestream. Die deutsche Mannschaft säße dann wohl bange in der Kabine im eineinhalb Flugstunden entfernten Kasan.
Mit einem Sieg mit zwei Toren Unterschied würde sie dieses Szenario auf alle Fälle vermeiden, und genau das ist auch angestrebt. Die Mannschaft soll den Auftrieb, den sie durch das dramatische Episoden-Happy-End des Schweden-Spiels erfahren hat, mitnehmen, zugleich aber auch die Mentalität abrufen, mit der sie in das erste Schicksalsspiel gegangen war. Das ist nun ihr zweites.
Auch Südkorea hofft noch (auf ein Wunder). Gestern war starker Andrang von Medien aus dem Land des Gegners im DFB-Camp in Watutinki – und die deutschen Medienleute lachten auf, als ein Südkoreaner Marco Reus mit einem kurzen „Reus“ ansprach. Das fand auch Reus in Ordnung, im Koreanischen sind Vor- und Nachnamen andersherum gestellt.
Als gefährlich erachtet werden die asiatischen Spieler durchaus, weil sie schnell und wendig sind – etwas, was keiner Abwehr behagt. Und: Sie sind auch nicht so schlecht in der Abwehr. „Es gibt kein Team bei der WM, das nicht auf internationalem Niveau verteidigen könnte“, meint Timo Werner. „Die großen Nationen müssen enormen Aufwand betreiben gegen die vermeintlich kleinen – deswegen fallen viele Tore erst in der letzten Minute oder der Nachspielzeit“, erklärt DFB-Trainer Marcus Sorg.
Er und seine Kollegen müssen sich festlegen, wer den Gelb-Rot gesperrten Jerome Boateng ersetzen soll – und ansonsten „achtsam sein, wie wir die Spieler belasten“. Kann daher gut sein, dass es wieder zu Wechseln kommt – um die Frische des Teams zu erhalten. Das bringt die gegen Schweden nicht berücksichtigten Mesut Özil und Sami Khedira ins Spiel. fürs Mittelfeld ist auch ein laufstarker Mann wie Leon Goretzka in der Verlosung. Der, meinte am Montag ein deutscher Berichterstatter, habe „noch gar nicht stattgefunden“.
Löws Co-Trainer Sorg stutzte, überlegte kurz und sagte: „Ich sehe ihn jeden Tag im Training, er ist hier.“ gük