Die beiden älteren Herren auf der Tribüne beim 3:0 von Kolumbien über Polen wirkten ein bisschen wie Waldorf und Statler, die zwei Senioren bei der „Muppet Show“ – nur dass die kolumbianischen Kopien deutlich stolzere Haarpracht tragen, auch als Oldies.
Carlos Valderrama und Rene Higuita hatten sichtlich Spaß am Treiben ihrer Erben unten auf dem russischen Rasen. Sie selbst waren ihrerzeit auf ihre Art Attraktionen. Valderrama, von 1985 bis 1998 Nationalspieler, wurde zwei Mal Südamerikas Fußballer des Jahres – trotz Argentiniens Diego Maradona und Zico (Brasilien), die damals ebenfalls am Ball waren. Der Regisseur mit dem Spitzenamen „El Pibe“ (Der Junge) nahm drei Mal an einer WM teil. Den deutschen Fans blieb er bei seinem Debüt 1990 in Erinnerung, als er im letzten Gruppenspiel (1:1) nach einem Foul von Klaus Augenthaler minutenlang regungslos am Boden liegen blieb, hinausgetragen wurde und nach ein paar Lidschlägen wieder aufs Feld flitzte. Den Ausgleich leitete er später mit einer gekonnten Vorlage ein. Der 56-Jährige ist der einzige Kolumbianer, der vom Brasilien-Idol Pele in die Top 100 der besten Fußballer in der Geschichte aufgenommen wurde.
Higuita hütete 1990 das Tor und ist bis heute eine der schillerndsten Figuren der Ballfänger-Geschichte. Er spielte schon damals gerne weit vor seinem Tor, war ein früher Vorläufer von Manuel Neuer, was aber damals noch als Humbug verspottet wurde. Ein Ausflug wurde ihm dann auch bei der WM in Italien zum Verhängnis, als er in der 109. Minute des Achtelfinalspiels gegen Kamerun vor dem Strafraum den Ball verlor, als er versuchte, Roger Milla zu umspielen. Der 38-jährige Stürmer sprintete ihm davon und erzielte das 2:0 – Kolumbien schied aus. Bei einem Testspiel in England vollbrachte Higuita im September 1995 im Wembley-Stadion eine der spektakulärsten Paraden der Fußballgeschichte: Statt einen Fernschuss mit den Händen aufzufangen, ließ er sich nach vorne fallen und parierte den Ball auf der Torlinie kopfüber mit beiden Hacken. Diese Parade wurde als „Skorpion-Kick“ bekannt. In England kam in den Nachrichten der Aufruf, Kinder mögen diese Parade bitte nicht nachahmen – es hatte bereits ein paar Handbrüche gegeben. Zwischendurch wurde der heute 51-Jährige zwei Mal wegen Kokain im Blut gesperrt und saß im Gefängnis, wo er sich mit einem Hungerstreik befreite. In der TV-Sendung „Cambio Extremo“ (Völliger Wandel) dokumentierte er zuletzt mehrere Schönheitsoperationen im Gesicht, unter anderem Lippenaufspritzen, Kinnvergrößerung sowie Zahn-, Mund- und Kieferchirurgie. So kann man es auch verhindern, sich Waldorf und Statler zu nähern. Zumindest äußerlich. awe