Kasan – Es sind schon deutsche Mannschaften von WM-Turnieren heimgekehrt – und drei vier Feldspieler hatten sich mit der Rolle als Antreiber der Stammkräfte im Training bescheiden müssen. Mit der Startaufstellung gegen Südkorea blieb 2018 nur einer neben den Ersatztorhütern übrig, der sich nicht versuchen durfte: Matthias Ginter. Erstmals auf dem Platz: Leon Goretzka und Niklas Süle. Die Einzelkritik zum Spiel, das einen Tiefpunkt in der deutschen WM-Geschichte darstellt.:
Manuel Neuer: Hoppala, war das etwa doch der Mangel an Spielpraxis, als er einen koreanischen Freistoß, der sauber auf seinen mächtigen Körper kam, nicht festhalten konnte? Sinnloser Ausflug am Schluss vor dem 0:2. Note: 5,0
Joshua Kimmich: Er hat sich ja wirklich zu einem modernen rechten Verteidiger entwickelt, ein anderes Urteil wäre nach seiner wiederum starken Saison im Verein nicht zulässig. Aber gestern zeigte Kimmich nichts von seinen Fähigkeiten. Seine Pässe waren ungenau, seine Flanken wie aus den 80er-Jahren: lange zugewartet, Segelbälle, die der Gegner berechnen kann. Note: 5,0
Mats Hummels: Versuchte sich bei seiner Rückkehr nach Verletzung als Antreiber, tauchte sogar vor dem koreanischen Tor auf, wo er mal tricksen wollte wie als Kind auf dem Bolzplatz. In seiner Primäraufgabe als Innenverteidiger war er solide, er stand auch immer richtig. Bester deutscher Spieler, auch wenn er die Kopfballchance (87.) vergab. Note: 3,0
Niklas Süle: So eine Süle-Grätsche macht schon Eindruck auf einen schmalen Koreaner. Süle kam rein, weil Antonio Rüdiger gegen Schweden nicht überzeugt hatte. Die Abstimmung mit Hummels funktionierte. Die Südkoreaner kamen zwar zu einigen Szenen vor dem deutschen Tor, doch die resultierten aus Schüssen. Note: 3,0
Jonas Hector: Geriet gleich mal in Not, als zwei Gegenspieler ihn anliefen. War wie immer engagiert und vorwärtsorientiert, nahm sich da einige Freiheiten. Aber alles ohne einen Hauch von Ertrag. Note: 4,5
Sami Khedira: Warum durfte er wieder spielen? Ein Rätsel. Defensiv ist er keine Bank mehr (Vertändler gleich in der ersten Minute), in der Offensive schafft er es nicht mehr, auch gedanklich nicht, das Spiel schnell zu machen. Seine Zeit läuft ab. Eine Auswechslung (gegen Gomez) als Erlösung. Note: 5,5
Toni Kroos: Keine dramatischen Fehlpässe wie am Samstag gegen Schweden, jedoch auch wenig, was über sein Verwaltungsspiel hinausging. Eine schöne Passquote allein ist auch wenig. Unkonzentriert beim Gegentor. Note: 5,5
Leon Goretzka: WM-Debütant. Beim Confed Cup vor einem Jahr war er vielleicht sogar der beste Spieler des Turniers gewesen. Doch was sollte das sein? Welche Position spielte er? Rechtsaußen? Staubsauger im Mittelfeld? Kopfballspieler, der in die Flanken reingeht? Es war eine absurd schlechte Partie des künftigen Münchners, in der nichts gelang. Verunsichert zudem, nachdem Reus und Werner ihn auf eine verunglückte Flanke hin zusammengepfiffen hatten. Ein Kopfball in der 48. Minute, sonst war da nichts. Note: 5,5
Marco Reus: Auch er gelangte an seine Grenzen, weil die Südkoreaner eng deckten oder seine Schüsse blockten. Versuchte im Wechselspiel mit Werner, die Korea-Abwehr auseinander zu spielen. Erste richtige Aufmerkaktion: ein Doppelpass mit Özil (51.). Note: 4,5
Mesut Özil: Wenn er am Ball war, eine der positiveren Erscheinungen, weil er halt keine technischen Fehler begeht und versucht, dem Spiel Tempo zu geben und die richtigen Pässe zu schlagen. Gesamteindruck trotzdem: uninspiriert. Er gibt der Mannschaft zu wenig, man konnte sehen, wie der Frust in ihm hochkroch. Ein Führungsspieler muss mehr bringen. Note: 4,0
Timo Werner: Man merkt ihm an, dass seine erste WM-Teilnahme ihn erfüllt und begeistert. Er ist sich für keinen Lauf zu schade, doch hier ist mehr gefordert als Fleiß und guter Wille. Für Marktwerte um die 60 Millionen Euro und Visionen, er würde bald an einer internationalen Topadresse spielen, fehlt derzeit viel an Klasse. Zu eindimensional. Note: 4,5
Mario Gomez: Die erste Hoffnungsoption. Nahm den Neuner-Platz ein, auf dem er auf Zuspiele angewiesen war. Das erste: eine Kroos-Flanke, die er dem koreanischen Goalie in die Hände köpfte. Dann: Flanke von Kimmich, er trat drüber. Note: 5,0
Thomas Müller: Großer Applaus, als er für den indisponierten Leon Goretzka eingewechselt wurde. Doch man sieht bei jedem seiner Schritte: Es ist nicht der WM-Müller, nicht der unbeschwerte Aufsteiger von 2010, nicht der schmerzlose Fighter von 2014. Note: 5,5
Julian Brandt: Wieder der letzte Joker, ab der 78. Minute dabei. Mit ihm tat sich gleich wieder ein bisschen was – doch eben auch nicht genug. Hätte länger spielen müssen. Keine Note