Umbruch und Neuaufbau – was im DFB nun passieren wird

von Redaktion

Schon vor der WM war klar, dass es für einige Beteiligte das letzte Turnier sein würde – Neuer kämpft weiter mit seinem Körper

Kasan – Die WM hatte gefühlt am 15. Mai begonnen, als der DFB ins Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund lud, um die Bekanntgabe eines vorläufigen WM-Kaders zu zelebrieren. Als Sahnehäubchen setzte DFB-Präsident Reinhard Grindel die Kunde drauf, dass man mit Joachim Löw und seinen Assistenztrainern bis 2022 verlängert habe. Die WM in Katar soll also auch noch dabei sein. Und wer weiß: Jogis dritter Titel gar, der Hattrick?

In Kasan, nach dem 0:2 gegen Südkorea, wurde Grindel schmallippig, in seiner nachträglichen Erklärung für die aus der Not erfolgte Vertragsausdehnung schwang schon die Distanzierung aus gegebenem Anlass mit. „Wir haben vor diesem Turnier sehr genau gewusst, dass es nach dieser WM unabhängig vom Ausgang einen Umbruch geben wird. Wir haben im Präsidium beraten, wer dafür der geeignetste Kandidat ist. Da war die WM 2014 weniger ausschlaggebend, sondern der Confed Cup, wo wir mit einer tollen jungen Truppe angetreten sind. Deshalb die Entscheidung für Joachim Löw.“

Umbruch, Neuaufbau – wenn das so kommt, dann hat jener missratene Mittwochnachmittag in Kasan in Tatarstan einige letzte Länderspiele erlebt. Es werden wohl weitere Weltmeister (neun waren noch dabei) sich künftig auf ihre Vereinsaufgaben konzentrieren. Von den Nicht-Weltmeistern wird es wohl Mario Gomez gut sein lassen. Als Stürmer mit 33 weiß er, dass er mit 37 keine WM spielen wird.

Heißeste Rücktrittskandidaten sind:

Mesut Özil: Löw schätzt ihn, stand loyal zu ihm (trotz Nichtberücksichtigung im Schweden-Spiel). Doch das Image von Özil ist am Boden – und was wäre, wenn Löw ginge? Özil hat sich – er räumte das in einem Beitrag für das WM-Magazin „Fußballgold“ ein – vor neun Jahren bewusst für die deutsche Nationalmannschaft und gegen die türkische entschieden, weil das die gesamte Karriere beeinflusst. Er hat sie gemacht, er braucht das DFB-Team nicht mehr.

Sami Khedira: Er ist ein Auslaufmodell, das Standing in der verjüngten Mannschaft hat nachgelassen, weil seine Leistungskraft nicht mehr über den Zweifeln steht.

Manuel Neuer: Er hat viel investiert, damit er noch einmal an einer WM teilnehmen konnte. Wer ihn noch nicht näher kannte wie Timo Werner, war begeistert („Diese Ausstrahlung von Ruhe: großartig“). Aber: Neuer ließ seine Enttäuschung über die Einstellung vieler Mitspieler erkennen („Bitter, erbärmlich, die Bereitschaft war nicht groß genug“). Und: Körperlich steht er weiter auf der Kippe. Täglich wurde er am Fuß untersucht, behandelt.

Jerome Boateng: Er hat’s noch immer drauf, spielte okay nach seiner Verletzung. Aber: Der Körper streikt öfter, seit der EM 2016 geht es bei ihm leicht, aber doch spürbar bergab.

Drei weitere Weltmeister, die schon etwas älter sind: Mats Hummels, Toni Kroos, Thomas Müller. Hummels wirkte nicht so, als habe er mit irgendetwas abgeschlossen, Kroos analysierte sachlich wie ein kommender Kapitän. Und Müller liebt das Spiel so sehr, dass er etwas dagegen tun wird, dass das Kapitel WM, das prägend war für seine Karriere, in Kasan ihr Ende gefunden haben wird. Günter Klein

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