Ein Duo für die Geschichtsbücher

von Redaktion

Die Tennisstars Roger Federer und Serena Williams siegten schon 2003 in Wimbledon – auch diesmal sind sie am Start

VON DORIS HENKEL

Wimbledon – Beim Blick auf die Wettervorhersage für London könnte einem fast schwindelig werden vor Glück. Sonnenschein, sommerliche Temperaturen, nicht mal ein Wölkchen in Sicht. Nun ist schlechtes Wetter während der All England Championships nicht mehr das ganz große Drama, seit der Centre Court mit einem Faltdach geschützt werden kann, aber unter blauem Himmel wirkt die Idylle einfach perfekt. Vielleicht ist das Hoch über Britannien tatsächlich so ausdauernd und stabil, dass nach dem letzten Ballwechsel der 132. Championships nach längerer Pause mal wieder ein ganz spezieller Eintrag fällig werden wird. „No rain during meeting“ (Kein Regen während des Turniers) steht im Compendium, wenn es von Anfang bis Ende trocken blieb. Das letzte große Hoch stammt aus dem Jahr 2010, davor aus dem Jahr 1995, als Pete Sampras auf trockenen Gräsern den dritten seiner sieben Titel gewann.

Der Mann, der sich vier Jahrzehnte lang mit großer Liebe zum Detail um dieses wunderbare Jahrbuch kümmerte, lebt nicht mehr. Alan Little, Bibliothekar des Clubs, starb im Oktober vergangenen Jahres im Alter von 89 Jahren. Man kann davon ausgehen, dass Littles Arbeit in dessen Sinne fortgeführt werden wird und dass dieses Compendium auch weiter eine Schatzkiste für wichtige wie für wunderbar überflüssige Kleinigkeiten bleiben wird.

In der Rubrik für Spieler und Spielerinnen mit mehr als hundert Auftritten beim berühmtesten Tennisturnier der Welt ist deshalb reichlich Betrieb, weil der Club für diese Wertung Einzel, Doppel und Mixed berücksichtigt; ginge es nur ums Einzel, sähe die Sache anders aus. Da finden sich auf der Seite der Frauen drei Namen – Martina Navratilova (134 Einzel), Chris Evert (111), Billie Jean King (110). Und bei den Männern zwei: Jimmy Connors und Roger Federer (je 102).

Wenn Federer am Montag zum achten Mal als Titelverteidiger zum ersten Spiel auf dem perfekt manikürten Rasen des Centre Courts erscheinen wird, wird er Connors also hinter sich lassen und allein an der Spitze des Hunderter-Clubs stehen. Genau 20 Jahre, nachdem er nebenan auf Court No 2 den Titel bei den Junioren gewonnen hatte.

Mit dem Übergang zu den Senioren tat er sich schwer, in den vier Jahren danach folgten drei Niederlagen in der ersten Runde, allerdings auch der spektakuläre Sieg anno 2001 im Achtelfinale gegen Pete Sampras. Als Sieger des Jahres 2003 landete er dann im Jahr daraus zum ersten Mal auch auf dem Titelbild des Compendiums, gemeinsam mit Serena Williams. Auf jenem Bild trug Federer die Haare noch kinnlang, auf den beiden anderen von 2009 und 2012, die ihn zusammen mit Williams und den berühmten Trophäen zeigen, ähnelt er mehr dem Bild, das man heute von ihm hat.

Ob es eine vierte Auflage mit den beiden geben kann? Federers Form nach fast drei Monaten Pause und erfolgreicher Rückkehr auf Rasen spricht nicht dagegen. Den Titel beim Mercedes Cup in Stuttgart gewann er souverän, und die Niederlage im Finale der Gerry Weber Oben in Halle gegen Borna Coric kam in gewisser Weise mit Ankündigung; die Stuttgarter Woche steckte ihm von Anfang an in Halle sichtlich in den Beinen. So unwirsch, wie er im Westfälischen auf mancherlei Fehler reagierte, wird man ihn am Montag gegen den Serben Dusan Lajovic auf Wimbledons Centre Court vermutlich nicht sehen.

Und Serena Williams? Die Diskussion, ob eine Schwangerschaft anders einzuordnen sei als eine Verletzung, ob sie mithin einen Platz in der Setzliste der Championships verdiene und falls ja, welchen, beendete der All England Club mit der Entscheidung, Williams auf Platz Nummer 25 einzustufen. Eine Entscheidung, die bei vielen Spielerinnen ankommt, allerdings nicht bei allen. Dominica Cibulkova rutschte damit aus der Setzliste und findet das überhaupt nicht gut. Sie habe sich diese Position mit ihren Ergebnissen im Laufe eines Jahres verdient, sagt die Slowakin, es sei also ihr Recht, zu den Gesetzten zu gehören. Die Diskussion über dieses Thema wird sicher so lange weitergehen, bis es eine festgeschriebene Regelung gibt.

Wie es um Serena Williams’ Form bestellt ist, ist eine ganze andere Frage. Bei den French Open in Paris hatte sie Anfang Juni wegen einer Brustmuskel-Verletzung nach drei Siegen vor dem Achtelfinale gegen Maria Scharapowa aufgegeben, und über den aktuellen Stand der Dinge wird sich erst heute äußern. Wenn alles gut läuft, könnte sie den Club der glorreichen Hunderter in gut einer Woche erreicht haben; aktuell steht sie bei 96 Spielen, genau 20 Jahre nach ihrem ersten Auftritt in Wimbledon. Als Federer noch bei den Junioren spielte, mischte sie schon bei den Großen mit.

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