Moskau – Alexej Sorokin lächelte sein Ach-diese-misstrauischen-Westler-Lächeln. Der Chef des russischen WM-Organisationskomitees machte sich am Freitag daran, von den erfolgreichen Seiten seines Turniers zu erzählen, von hoher Stadionauslastung (98 Prozent), all dem Lob für die Infrastruktur und davon, dass man von Hooliganismus und Terrorismus durch gute Sicherheitskonzepte verschont geblieben ist. Dann kommen die deutschen Journalisten und fragen: „Was sagen Sie zum Erfolg des russischen Teams, zu den Sprintfähigkeiten der Spieler – und wie viele Dopingtests gab es überhaupt schon bei der Weltmeisterschaft? Sorokin sagt, unterlegt mit seinem speziellen Lächeln: „Erkenne ich da einen Hinweis, dem wir nachgehen sollten?“
Die Russen sind das Team mit der größten Laufleistung und den meisten Sprints, und in zwei Spielen (Saudi-Arabien, Ägypten) sind sie über ihre Gegner hinweggefegt. Das war die Qualifikation fürs Achtelfinale. Das abschließende Gruppenspiel gegen Uruguay endete in einer 0:3-Niederlage, es war das in den russischen Fanzonen meistgesehene Match der WM (im Fernsehen weltweit gerechnet übrigens Deutschland – Mexiko). Doch das russische Team hatte genügend Zeit, sich zu regenerieren: Sechs Tage bis zum Achtelfinale gegen Spanien (am Sonntag, 16 Uhr MESZ/ZDF). Und Alexej Sorokin, der WM-Organisator, meint, dass das gar nicht so verwunderlich sei, dass die Mannschaft gut spiele: „Ich lese viele Artikel, viele Blogs, höre Fanmeinungen. Der vorherrschende Ton ist: Entschuldigung, dass wir nicht an unsere Mannschaft geglaubt haben, wie es hätte sein sollen.“ Für Sorokin ist klar: „Sie hat sich gut vorbereitet, sie ist motiviert.“ Und natürlich ist es für das Turnier willkommen gewesen, dass der Gastgeber über die Vorrunde hinausgekommen ist. „Ich hoffe, sie bleibt noch länger dabei.“
Seit dem Montag musste Sbornaja-Trainer Stanilsaw Tschertschessow dagegen anarbeiten, dass in Folge des 0:3 der Glaube der Spieler an sich selbst schwindet. Am Mittwoch geschah etwas, das ihm dabei half: das Aus seines Freundes Joachim Löw mit der deutschen Mannschaft. Oder, man muss es umgekehrt sehen und positiv erzählen: der Coup Südkoreas und das Nutzen einer Chance, die es auf ein Prozent taxiert hatte. „Das hat uns gezeigt, dass es keine unschlagbaren Mannschaften gibt“, sagt Mario Fernandes, der Russe mit dem unrussischen Namen: Er ist eingebürgerter Brasilianer.
Guus Hiddink schaute vorbei im Basisquartier der Russen in Nowogorsk, er war Nationaltrainer bei der EM 2008, als man mit berauschendem Offensivfußball ins Halbfinale kam, dabei die Niederländer mit ihren Stars aus dem Turnier räumte; die Qualifikation für die WM 2010 verpasste Hiddink, er trat anschließend zurück, ist aber aufgrund einiger Vereinsjob eine feste Größe in Russland und dieser Tage auf noch mehr Terminen als die FIFA Legende Diego Maradona zu sehen. Hiddink sprach zu den jetzigen Spielern, machte ihnen Mut. Spanien sei nicht unanfechtbar. Der Ex-Welt- und Europameister hat einen Trainerwechsel kurz vor WM-Beginn zu verkraften und überhaupt nur eines seiner drei Spiele gewonnen (1:0 gegen Iran).
Witali Mutko, der russische Vizepräsident, der nach der WM auch wieder den Fußballverband übernehmen wird (da ist er derzeit gesperrt), fordert die Fans zu breiter Unterstützung auf „für unseren wichtigsten Kampf“. Bei ihm ist immer alles martialisch.
Ach ja, die Frage nach den Dopingproben. Beantwortet Colin Smith, Turnierdirektor der FIFA: „2700 Kontrollen, die Proben wurden in der Schweiz überprüft, kein positiver Befund.“ Was auch sonst?