Piroggen! Blini! Die Soljanka! Russland hat kulinarisch einiges zu bieten, doch das kennen wir alles schon. Wir wollten noch was gänzlich Neues erleben, etwas noch nie Gekostetes. Und plötzlich, wie vom Schicksal dorthin geführt, standen wir vor einem Automaten am Moskauer Flughafen Domodedowo. Auf dem prangte das Bild eines Astronauten, der durchs All gleitet. Dazu die Schrift: „Space Food“. Nahrung für den Weltraumflug.
Wir hofften natürlich nicht, dass der Flug Richtung Kasan über die Stratosphäre hinaus steigen würde, waren aber natürlich viel zu neugierig, um nicht eine Packung zu ziehen. Was hat’s denn im Angebot für jeweils 400 Rubel (6 Euro)? Reisporridge mit getrockneten Aprikosen. Bohnensuppe. Den original russischen Borschtsch. Hackfleisch. Fleisch mit Buchweizen. Cremesuppe mit Pilzen. Bitte eine Cremesuppe mit Erbsen.
Wie schaut so ein Space Food aus? Es ist verpackt wie, nun ja, Zahnpasta. Oder wie Rheumasalbe. Und da auch in Russland mit seiner Raumfahrttradition – wir sagen nur: Belka und Strelka, Juri Gagarin, Weltraumstädtchen Baikonur, die Mir – noch nicht jeder Bürger Astronautenessen gesehen hat, verzichten wir darauf, gleich am Gate eine Probe von unserer Suppe zu nehmen („Mama, was isst der Mann da?“). Zwei Tage haben wir die Tube mit uns rumgetragen, dann kurz vor dem Rückflug – wieder am Flughafen – wurde sie geöffnet (gleiches Verfahren wie bei Zahnpasten – Aufstechen mit dem umgedrehten Verschlusskopf). Machen wir also den Alexander Gerst! Dummerweise ein bisschen zu optimistisch gedrückt – schon spritzte die Brühe über den Plastiklöffel hinaus, den wir in weiser Voraussicht mitgeführt hatten. Auf Sitzbank und Hose. Sah aus wie frisch … Sie können es sich vorstellen.
Aber, wenn man das Produkt dann mit gebotener Vorsicht sich selbst serviert – ja, könnte als die beschriebene Suppe durchgehen. Ist halt kalt. Aber sehr praktisch: Man muss sich nicht die ganze Tube reinblitzen. Man kann noch was drinlassen und seine Suppe auf zwei Tage portionieren.
Karriere macht diese Form der Fertignahrung aber hoffentlich nicht. Doch wenn es erst mal die Pizza in der Tube für den Astronauten gibt, wird Space Food nicht aufzuhalten sein. Dann gehört ihm nicht nur das Weltall, sondern die Welt. Günter Klein