Ganz oder gar nicht

von Redaktion

Die Münchner Werferin Amelie Döbler beendet mit schon 19 Jahren ihre hoffnungsvolle Karriere

VON CHRISTIAN STÜWE

München – Ihr neues Leben, so ganz ohne Leichtathletik, ist für Amelie Döbler schon noch ein wenig ungewohnt. Denn die letzten Jahre waren voll und ganz dem Sport gewidmet. Die 19-Jährige hatte 2010 mit dem Kugelstoßen und Diskuswerfen angefangen, schnell hatten sich erste Erfolge eingestellt, schnell war das Trainingspensum angewachsen. In den ersten Jahren standen noch fünf Einheiten auf dem Wochenplan, in den letzten Jahren trainierte Döbler neunmal in der Woche, dazu kamen die Wettkämpfe. Raum für Hobbys oder andere Interessen blieb nicht. „Wenn man von acht bis vier in die Schule geht und dann von halb fünf bis sieben trainiert, dann bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes“, erzählt Döbler, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr bei ihrem Heimatverein TSV München Ost absolviert. Die LG Stadtwerke München, für die Döbler in den letzten Jahren startete, verkündete nun vor etwas mehr als einer Woche das Karriereende der Diskuswerferin. Was schon ein kleiner Paukenschlag war, denn die Bundeskaderathletin schien gerade erst am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere zu stehen.

Ziemlich genau vor zwei Jahren feierte die 1,93 Meter große Athletin ihren größten Erfolg, als sie bei der U18-EM in Tiflis/Georgien Zweite im Diskuswerfen wurde. Der Gewinn der Silbermedaille markierte gleichzeitig aber auch den Beginn einer schwierigen Zeit. Denn trotz des harten und intensiven Trainings stagnierten Döblers Leistungen. „Ich habe sehr viel Zeit investiert und es ging nicht mehr viel nach vorne“, erzählt Döbler, die in dieser Zeit auch mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Die Perspektive, der Spaß am Sport, gingen verloren, die Motivation sank, ihr wurde klar, dass sie einen noch deutlich größeren Trainingsaufwand benötigen würde, um die Erfolge als Jugendliche bei den Erwachsenen wiederholen zu können. Döblers Anspruch war es nach eigenem Bekunden, immer zu den Besten in ihrem Sport zu gehören. Der Wille, dafür täglich an die eigenen Grenzen zu gehen, schwand aber immer mehr. Gegen Ende des vergangenen Jahres kamen erstmals die Gedanken, mit dem Sport aufzuhören. Zunächst grübelte Döbler nur für sich, dann informierte sie im März ihre Eltern und ihren Bruder Valentin, der selbst ein ambitionierter Kugelstoßer bei der LG Stadtwerke ist, über ihre Pläne. Diese seien zunächst ziemlich erschrocken gewesen, genauso wie andere Sportler, mit denen sie über ihre Absichten sprach. Umstimmen ließ sich Döbler aber nicht und traf den mutigen Entschluss, ihre aussichtsreiche Karriere früh zu beenden.

Der Rückblick auf die vergangenen Jahre fällt dennoch absolut positiv aus. „Ich bereue keine Sekunde des Trainings, es hat mir immer Spaß gemacht und ich würde es auch wieder genauso machen. Trotzdem weiß ich, dass es die richtige Entscheidung ist“, sagt Döbler, die im Herbst eine sozialpädagogische Berufsausbildung beginnt. Auch wenn ihr die Wettkämpfe und Trainingseinheiten mit Trainer Gerhard Neubauer sicher fehlen werden, schließt Döbler ein Comeback kategorisch aus: „Wenn ich etwas mache, dann ganz oder gar nicht.“

Stattdessen absolviert sie nun ein eigenes Fitnesstraining, mit fünf bis sechs Einheiten die Woche. Was sich für Feierabendsportler nach einem ziemlich straffen Programm anhört, lässt im neuen Leben der Amelie Döbler nun endlich auch Platz für andere Dinge.

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