Südkorea hat der Fußball-Welt – kaum jemand weiß es – die Public-Viewing-Kultur geschenkt. Als die Asiaten 2002 die WM ausgerichtet haben, verfolgten bis zu 100 000 Fans die Spiele auf der Soul Plaza vor dem Rathaus der Hauptstadt. 2006 wurde Public Viewing in Deutschland salonfähig, allerdings war die Idee eben nicht neu. Dabei sagt man doch eigentlich eher den Asiaten nach, Raubkopien zu erstellen.
In der Hinsicht ist wenigstens Tae-Yong Shin ein Vorzeigemodell. Der Trainer von Südkorea machte während des Turniers keinen Hehl daraus, dass er Joachim Löw als sein Vorbild betrachte, in jeder Hinsicht, es ging bis zum Kleidungsstil an der Seitenlinie und zur Haartracht. Der 47-Jährige hatte zuhause lang keinen Kredit, die Menschen wollten eigentlich Guus Hiddink zurück. Yong Shin habe zu wenig Erfahrung, so die Bedenken; ganze zwei Jahre hat er vor seinem Amtsantritt als Chefcoach gearbeitet, seinen Heimatclub Seongnam Illhwa aber zum Sieg in der Meisterschaft und der asiatischen Champions League geführt. Nun lieferte die Raubkopie ein echtes Original, das für sich steht: Den Weltmeister aus dem Turnier geworfen; eine historische Tat. awe