Nach 48 von 64 Spiele dieser Fußball-WM steht zumindest ein Rekord fest: Neun Eigentore wurden bislang erzielt – so viel wie nie zuvor. Ein Trend also, der auf nervenschwaches Defensivverhalten schließen lässt. Dazu passt auch, dass bereits 24 Elfmeter verursacht wurden (ebenfalls Rekord). Die spektakulärste kollektive Fehlleistung bot zweifelsohne das deutsche Team: Der Weltmeister strauchelte als Gruppenletzter – und steht damit bereits als größte Enttäuschung dieser WM fest.
Doch auch wenn hierzulande der Frust noch tief sitzt, so bedeutet das noch lange nicht, dass bislang alles schlecht gewesen wäre bei dieser WM. Sicher, die Superstars taten sich erstaunlich schwer. Messi und Neymar konnten nur sporadisch ihre fußballerische Zauberkraft entfalten, und auch den anfangs nach seinem Dreierpack gegen Spanien noch so hochgelobte Ronaldo sah man zuletzt auch zetern und zittern. Die ganz große Spielkunst ist in den russischen Arenen noch nicht zum Zuge gekommen. Dafür entwickelten die kleineren Fußballnationen – auch wenn sie alle auf der Strecke blieben – erstaunliche Wehrhaftigkeit, brachten so manchen Favoriten zumindest ins Wanken. Die Folge waren zahlreiche Partien die bis in die Schlussminuten hochspannend blieben. Auch das hatte seinen Unterhaltungswert.
Zu den positiven Befunden nach gut zwei WM-Wochen zählt sicher auch, dass der Videobeweis seine Bewährungsproben – bis auf wenige Ausnahmen – mit Bravour bestanden hat und zahlreiche eklatante Fehlentscheidungen vermieden wurde. Profitiert haben davon auch die Schiedsrichter, die – nicht zuletzt dank Hightech – eine sehr respektable Gesamtleistung hinlegten.
Dass die großen sportlichen Höhepunkte bislang noch auf sich warten ließen, liegt wohl nicht zuletzt in der Natur eines Turniers. Die Vorrunde war auch in der Vergangenheit nur selten die Bühne für das große Spektakel. Richtig überzeugt hat vor den K.o.-Runden nur Belgien. Hoffnungen weckte England. Noch einige Luft nach oben haben Brasilien, Frankreich, Spanien. Vielleicht sorgen die giftigen Kroaten für Furore, vielleicht berappeln sich die Argentinier. Die WM, die drei Viertel ihres Programms hinter sich hat, dürfte jetzt erst richtig beginnen. Auch wenn sie für Deutschland bereits vorbei ist.