-In Ihrer Bayern2-Kolumne haben Sie sich kürzlich mit der „politisch korrekten WM“ befasst. Sind Sie ein politisch korrekter WM-Betrachter?
Ich bin überhaupt kein politisch korrekter Mensch. Ich glaube Political Correctness ist ein Gift, das uns irgendwann noch den Humor unter den Füßen wegziehen wird.
-Sie haben präventive Anregungen gegeben, wie die selbst einrollende Fahne…
Ja, das ist doch perfekt. Die Fahne, die sich nach zehn Sekunden einrollt, damit man auch ja kein falsches Bild vermittelt. Dieser Satz von Claudia Roth kam mir gerade Recht. Wo hört die Freude auf, wo fängt der Nationalismus an. Davon habe ich mich ein bisschen leiten lassen.
-Kann man politische Korrektheit und Fußball zusammenbringen?
Ich finde ganz furchtbar, wenn Fußball politisiert wird, und das ist diesmal in extremer Weise geschehen. Aktuell geht es darum, wenn Frankreich Weltmeister werden würde, dann wäre das auch ein Sieg für Emanuel Macron. Wie auch immer man auf so einen Quatsch kommen kann.
-Interessante Theorie…
Ja klar, das wäre ein Sieg für Europa. Deutschland scheidet aus, Frankreich wird Weltmeister – das ist eine europäische Lösung.
-Bräuchten wir dann nicht ein gesamteuropäisches Team?
Ohja, das würde noch fehlen. Ein gesamteuropäisches Team, das gegen sich selbst spielt und immer mit 0:0 vom Platz geht. Das wäre das, was Europa ist. Das können wir in zwei Jahren bei der EM ausprobieren. Dann gibt es nur ein Spiel, Europa gegen Europa. Das geht 0:0 aus, und am Ende bleiben alle Bundestrainer – um bei der Aktualität zu bleiben.
-Aber jetzt wünschen Sie Frankreich den Titel?
Nein, überhaupt nicht. Ich will, dass Russland Weltmeister wird. Das passt doch zu dieser WM. Das Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien war ja schon das Eröffnungsspiel der Herzen. Dann wäre der Titel für Russland nur konsequent. Russland jetzt und in vier Jahren Katar. Der Gastgeber, damit zeigt die FIFA ihr Gesicht – um nicht zu sagen: ihr wahres Gesicht. Mir hat es um die Japaner leidgetan. Mir war Japan immer sympathisch, ich war auch schon mal da, das hätte mich gefreut, wenn die weiterkommen wären.
-Das Herz für den Kleinen?
Prinzipiell ist mein Oppositionsdenken immer so – ich stelle mich auf die Seite der Underdogs. Aber gut, schauen wir mal. Langweilig fände ich, wenn Brasilien Weltmeister wird, das kennen wir ja schon.
-Werden Sie es denn weiter verfolgen?
Achja, so ein bisschen schon, auch wenn ich jetzt halt viel auf der Bühne bin. Das Viertelfinale fällt für mich aus, weil ich am Freitag und Samstag auftrete. Aber das Finale dann, ganz klassisch, auf jeden Fall.
-Wird die WM auf der Bühne auch ein Thema?
Mal in einem Halbsatz. Dass Jogi Löw Bundestrainer bleibt und Horst Seehofer Innenminister. Das kann sein, sonst spielt der Fußball keine Rolle. Wobei ich Fußball grundsätzlich übrigens total sympathisch finde.
-Tatsächlich?
Doch, doch. Ich mag auch die Sechzger. Das ist mir sympathisch, wie das momentan abläuft. Das freut mich und das verfolge ich auch. Mein Sohn ist auch Sechzger. Ganz klar, großes Schild im Zimmer: ,Hier regiert der TSV‘. Ihm und seinen Kumpels hat, glaube ich, dieses Gefühl gefallen, das sich da entwickelt hat. Ist halt auch etwas anderes als dieses pomadige FC-Bayern-Gefühl, das es ja auch geben soll.
Interview: Patrick Reichelt