Joachim Löw bleibt Bundestrainer. Das ist eine wichtige Personalie. Doch sie allein entscheidet nicht darüber, wohin sich die deutsche Nationalmannschaft entwickelt. Sie kann auch unter dem nach der WM-Blamage 2018 angeschlagenen Löw wieder erfolgreich werden, der Lobpreis, den der deutsche Fußball bis vor ein paar Wochen aus aller Welt erfahren hat, hatte ja seine Gründe. Das Potenzial ist gewaltig.
Allerdings kann es kein gelassenes „Weiter so“ und „Beim nächsten Mal kriegen wir es schon wieder hin“ geben. Dass Jogi seine badische Ruhe ausstrahlt und sich als den Souverän inszeniert, der am Laternenpfahl lehnt, das darf man ihm nicht mehr durchgehen lassen. Der Bundestrainer muss einem strengeren Controlling ausgesetzt sein.
Dazu braucht es Co-Trainer, die sich nicht damit bescheiden, ihrem Jogi die Hütchen aufzustellen und die ihn vor Glück anstrahlen, dass er ihnen einen Job hat zukommen lassen. Es bedarf auch einer Stimme, die Löw erklärt, wie verheerend manche seiner Aktionen in der Öffentlichkeit wirkt und sich dadurch Stimmung gegen ihn aufbaut – sein langjähriger Berater Roland Eitel spielte zuletzt keine Rolle mehr; es wäre besser, der Verband und der Bundestrainer würden wieder auf ihn hören. Der DFB selbst macht zunehmend schlechte Medienarbeit. Das Trainingslager in Südtirol und die Tage in Watutinki haben neue Maßstäbe gesetzt in Sachen Verknappung von Information. Und eine gute Medienabteilung müsste auch mal den Mut haben, um zu Spielern wie Toni Kroos, Joshua Kimmich und Niklas Süle zu gehen und sie zu informieren über Arbeit und Ansprüche von Medien. Doch bei der Nationalmannschaft ist ein Feudalsystem entstanden, in dem der Trainer und die Spieler oben thronen und um sie herum nur stille Dienstleister erwünscht sind.
Die größte Aufgabe kommt auf Oliver Bierhoff zu. Er ist im DFB aufgestiegen, das große Projekt Akademie zieht seine Energie vom sportlichen Management der Nationalmannschaft ab. Zudem hat er es übertrieben mit der Vermarktung, nicht umsonst wird von der Bierhoffisierung der Nationalmannschaft gesprochen. Wohlgemerkt der „Nationalmannschaft“. Das ist immer noch der Begriff, den die Deutschen bevorzugen. Sie sind nicht bereit, „Die Mannschaft“ zu sagen. Weil es aufgesetzt klingt. Und weil es diesmal eben nicht gestimmt hat.
Weg mit diesem dämlichen Prädikat, weg mit der Selbstherrlichkeit – wenn die Personen bleiben, muss sich wenigstens die Haltung ändern.