-Herr Hackl, ist die WM auch ohne deutsche Beteiligung für Sie ein Muss?
Was heißt ein Muss? Man hat jetzt leider nicht mehr die tollen Fußball-Abende, bei denen man sich mit Freunden zum Grillen trifft. Da ist die Luft ein bisschen raus, das ist schade. Trotzdem schaue ich mir, wenn ich die Zeit finde, gerne Highlights an. Nicht alle Spiele, aber wenn ich ein paar schaffe, schaue ich sie mir schon sehr gerne und sehr interessiert an. Einfach, weil da hervorragender Fußball geboten wird. Das ist schon toll, wie sich da einige Mannschaften einsetzen.
-Wer hat Sie bisher am meisten beeindruckt?
Mir hat Kolumbien sehr gut gefallen, auch Uruguay, Kroatien natürlich. Von Frankreich habe ich kein Spiel gesehen, da kann ich wenig sagen. Dafür England. Deren Fußball konnte man ja lange Zeit nicht gut anschauen. Das ist schon toll, was die jetzt anbieten. Diesen Drang nach vorne und wie sie fighten, das ist schon super anzusehen.
-Würden Bier und Gegrilltes nicht auch bei einem schönen Viertelfinale schmecken?
Ja, stimmt. Aber da bin ich schon wieder bei einem Termin (geht im Geiste seinen Kalender durch). Das wird sich leider nicht ausgehen.
-Wie haben Sie das deutsche WM-Aus erlebt?
Naja, eigentlich war das ja vorher schon abzusehen. Dass man sich in der Vorbereitung gegen Österreich zum Beispiel so eine Blamage verabreichen lässt, das macht man freiwillig nicht. Oder? Würden Sie das freiwillig machen?
-Sicher nicht.
Nicht wegen der Österreicher. Die haben toll gespielt. Aber schon damals war mehr oder weniger klar, wie die WM wird. Gegen Mexiko wurde es dann offensichtlich. Mich hat es gefreut, dass wenigstens gegen Schweden in der zweiten Halbzeit der Hebel so einigermaßen umgelegt wurde. Aber dann verstehe ich es nicht. Gegen Südkorea, da ging ja gar nichts mehr.
-Die Stimmung in Deutschland war nach dem Aus sehr kritisch und ist es immer noch. Bewerten Sie als ehemaliger Leistungssportler so ein Scheitern differenzierter?
Ich als Einzelsportler wüsste genau, wie ich mit dieser Niederlage umgehen müsste. Aber bei einer Mannschaftssportart ist das anders, da spielen so viele andere Effekte rein. Wer hat wirklich Schuld? Wer hat alles versucht? Ich meine, erkannt zu haben, dass ein Kimmich oder ein Hummels wollten. Die haben sich schon angestrengt. Aber da ging nix.
-Sind das die schlimmsten Niederlagen?
Es ist ja eigentlich klar, warum es diese Niederlage gab. Mich macht nur traurig, dass sich keiner traut, die Probleme in der Öffentlichkeit klar beim Namen zu nennen. Der Oliver Kahn mal ausgenommen. Das macht es dann schwierig. Ich als Sportler hatte zum Glück Trainer, die hart und ehrlich mit mir waren und ganz hart ins Gericht gegangen sind mit mir. Ich selbst habe das auch gemacht. Im Falle einer so schweren Niederlage muss man die Analyse glasklar betreiben. Und so, dass sie auch wehtut. Ich mag den Ausdruck „sich hinterfragen“ gar nicht mehr in den Mund nehmen, der wurde schon so oft benutzt. Aber man muss das auswerten, und zwar schonungslos.
-Haben Sie das Gefühl, das geschieht nicht?
Ich weiß es nicht. Aber nur dann findet man die wahren Gründe heraus. Das kann ich zweifelsfrei sagen als ehemaliger Leistungssportler, der in der Lage war, sich nach Niederlagen aufzurappeln. Das muss geschehen. Wenn es nicht geschieht, dann geht es erst mal nicht nach vorne.
-Angeblich steht das noch aus. Die DFB-interne Analyse gibt es jetzt, die mit der Mannschaft erst beim nächsten Treffen.
Ich bin der Meinung, das sollte man zeitnah auswerten. Wir Rodler sprechen von der „frischen Spur“, der zeitnahen Analyse. Da sind die aktuellen Ereignisse noch präsent. Wenn man das statt dessen aus der Ferne betrachtet, kann es wieder dazu führen, dass man die falschen Gründe anführt. Und das wäre fatal.
-Ihr Rodel-Schützling Felix Loch klingelt gerne mal abends mit einer Flasche Rotwein bei Ihnen. Haben Sie schon zusammen WM geschaut?
Wir haben es noch nicht geschafft. Der Felix ist ja wieder Vater geworden, dann war er im Urlaub, dann gab es bei mir eine Reihe von Terminen.
-Vielleicht klappt es beim Finale.
Das wäre schön.
Das Gespräch führte Marc Beyer