Kasan – Neymar ließ sich enttäuscht auf die Knie fallen, Belgiens Goldene Generation feierte ihren Viertelfinal-Triumph ausgelassen mit einer La Ola vor den eigenen Fans. Mit einer über weite Strecken titelreifen Vorstellung und etwas Glück haben die Roten Teufel Rekordweltmeister Brasilien entzaubert und sind nur noch zwei Siege vom ersten WM-Titel entfernt. Angetrieben von den überragenden Eden Hazard und Kevin De Bruyne warfen die Belgier in Kasan die Südamerikaner mit einem 2:1 (2:0) aus dem Turnier. In der Schlussphase musste das Team allerdings zittern. Im Halbfinale wartet am Dienstag Frankreich.
„Wir haben keine Minute aufgegeben“, sagte Belgiens Trainer Roberto Martínez. „Die Jungs haben es verdient“. Seine Spieler seien „ganz spezielle Leute und alle Belgier sollten stolz auf sie sein.“ De Bruyne dachte schon an die kommende Aufgabe: „Wir sind in den Top Vier, aber jeder will dieses Finale spielen“.
Die Titelträume der Seleção um Superstar Neymar, der erneut durch Schauspielerei auffiel und ansonsten blass blieb, endeten dagegen erneut vorzeitig. Fernandinho mit einem Eigentor (13. Minute) und der Ex-Wolfsburger De Bruyne (31.) besiegelten den Viertelfinal-K.o.. Der eingewechselte Renato Augusto konnte nur verkürzen (76.).
Im Duell der besten Offensive gegen die stärkste Defensive der WM übersprangen beide Teams die Abtastphase und suchten den schnellen Weg nach vorne. Für die Belgier probierte es De Bruyne bereits in der zweiten Minute mit einem Distanzschuss, der knapp am Tor vorbeiflog. Nach einer Neymar-Ecke hatten sie Glück, dass Thiago Silva nur den Pfosten traf.
Vorne kamen sie immer besser ins Spiel. Ein Schuss von Hazard wurde von Brasiliens Abwehr noch geblockt (9.), dann leisteten die Südamerikaner Schützenhilfe: Fernandinho bugsierte den Ball nach einer Ecke von Nacer Chadli mit dem Oberarm ins eigene Tor.
Mit der Führung wurden die Belgier sicherer und zeigten bei schnellen Angriffen immer wieder tolle Kombinationen. In der 31. Minute demonstrierte Martínez’ Mannschaft eindrucksvoll ihre Konterstärke: Nach einem Eckball der Brasilianer startete Romelu Lukaku ein Solo über den halben Platz, bediente De Bruyne, und dieser traf mit einem satten Rechtsschuss zum 2:0.
Brasilien wirkte geschockt, kam offensiv nur selten gefährlich zum Abschluss. Und wenn, dann war Belgiens Keeper Thibaut Courtois zur Stelle. Einen Distanzschuss von Philippe Coutinho parierte er exzellent (37.). Auf der Gegenseite lenkte Alisson einen Freistoß von De Bruyne über die Latte (41.).
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Brasilien drängte auf den Anschluss. Der eingewechselte Roberto Firmino verpasste eine Hereingabe von Marcelo am Fünfmeterraum knapp (51.), dann scheiterte Neymar mit seinem Versuch, einen Elfmeter zu schinden (53.). Drei Minuten später hätte es einen Strafstoß geben können. Vincent Kompany hatte Gabriel Jesus im Strafraum getroffen, doch nachdem die Szene vom Videoassistenten überprüft worden war, entschied sich der Unparteiische gegen einen Elfmeter.
Belgien sorgte nur noch selten für Entlastung. Hazard verzog nach einem Konter knapp (62.), dann gelang dem kurz zuvor eingewechselten Renato Augusto der Anschluss. Eine Lupf-Flanke von Coutinho verwertete er per Kopf (76.). In der Nachspielzeit lenkte Courtois einen letzten Neymar-Schuss über die Latte. dpa