Zur Kasse bitte!

Fairplay à la FIFA

von Redaktion

Fußball kostet Geld. Sogar die FIFA muss ihre Konten belasten, will sie zum Beispiel eine WM ausrichten. Präsident Gianni Infantino geht seit Monaten hausieren, um neue Wettbewerbsmodelle zu verscherbeln, glücklicherweise aber erschließt ja auch die gute alte WM noch ein paar Einnahmequellen. Beim Turnier in Russland hat die FIFA etwa schon 406 294 Euro an Strafen von den Verbänden kassiert, unter anderem musste auch der DFB löhnen. Zwei Mal 4304 Euro wurden für die Rabauken fällig, die gegen Schweden ausfällig wurden. Schön und gut, gäbe es da nicht eine eigenartige Gewichtung der Strafmaße, wenn die FIFA zur Kasse bittet.

Ein Plakat mit einem Code, der für „Heil Hitler“ steht: 10 000 Euro Bußgeld. Die Forderung, den deutschen Schiedsrichter Felix Brych vors Kriegsverbrecher-Tribunal zu stellen: 4000 Euro. Am Freitag erhielten die Kroaten und die Schweden den Bescheid, sie müssten zahlen, weil ihre Spieler auf dem Platz Getränke konsumiert hatten, die nicht von einem offiziellen FIFA-Ausrüster stammten beziehungsweise weil sie „nicht autorisierte Ausrüstung“ getragen hatten. Der Kostenpunkt: 60 000 Euro. Da drängt sich ein leiser Verdacht auf, dass die Marken mehr geschützt werden als die Werte, die der Weltverband ansonsten so gerne plakativ vor sich herträgt. Das ist eine spezielle Form des Fairplays.

Der Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus ist der FIFA offensichtlich nicht so lieb und teuer wie die Interessen der Geldgeber. Das Missverhältnis sorgt nicht nur bei denen für Verstimmung, die abkassiert werden – es sorgt generell für Grübeln. Prinzipiell ist es recht und nun ja . . . in dem Fall nicht gerade eben billig, seine Partnerschaften zu schützen – fragwürdig ist aber das Strafmaß.

Ins schiefe Bild passt, dass die Kroaten zudem eine Mahnung erhalten haben, weil ihr Torwart Danijel Subasic eine persönliche Botschaft präsentiert hatte. Das ist verboten. Eigentlich richtet sich diese Regel gegen politische oder religiöse Verlautbarungen, bei Subasic reichte schon, dass er ein Foto eines verstorbenen Jugendfreunds unter seinem Trikot gezeigt hatte. Er trägt dieses Shirt bereits seit zehn Jahren bei jeder Partie. Das kroatische Internetportal „tportal.hr“ schrieb am Freitag: „Er wird im Falle eines Sieges im Viertelfinale gegen Russland auf dieselbe Art feiern wie im Achtelfinale – ohne Rücksicht auf eine mögliche Strafe.“ Das sollte er auch. Manches muss man sich einfach leisten dürfen.

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