Im Abenteuerland

von Redaktion

Das Präsidium Reisinger blickt auf ein turbulentes erstes Jahr im Amt zurück – und will nie wieder weg aus Giesing

VON Uli Kellner

München – Am Ende hatte Hans Sitzberger sogar noch die Muße, von seinem Urlaub in Kanada zu erzählen. Zu Fuß und mit dem Kanu hatte sich der Löwen-Vize auf die Spuren der Goldgräber begeben, die innere Einkehr ebenso genossen („Kein Handy-Empfang“) wie die spektakuläre Landschaft. Er ist durch meterhohen Schnee gewandert, hat fünf Bären gesehen und sogar einen anderen Fan des TSV 1860. Ein voller Erfolg war der Solotrip des 64-Jährigen in die Wildnis – und trotzdem nicht halb so abenteuerlich wie die Zeit, die hinter ihm und seinen beiden Präsidiumskollegen liegt.

Angetreten war das Dreiergespann um Robert Reisinger, als infolge des Schwarzen Freitags der ganze Verein in Trümmern zu liegen schien. Es gab Turbulenzen um die Beinahe-Insolvenz, mit dem Investor, mit Gegnern ihrer Politik der „schwäbischen Hausfrau“. Ein vorläufiges Happy End gab es auch. Der Aufstieg in die 3. Liga ist das sichtbarste Ergebnis, das die weitgehend im Hintergrund wirkenden Herren nach einem ersten gemeinsamen Jahr im Amt vorzuweisen haben.

Auch darum ging es, als Reisinger, Sitzberger und Heinz Schmidt am Freitag ins Giesinger Bräu luden. Gedacht war die Pressekonferenz aber nicht als Selbstbeweihräucherung 15 Tage vor der Mitgliederversammlung. Sondern auch als Rechenschaftsbericht, weil Reisinger und Co. eben viele auch nicht so populäre Themen anpacken. Die Gemeinnützigkeit zum Beispiel (weitgehend geklärt), die Suche nach einem Standort für die zu bauende Turnhalle (in der Görzer Straße gefunden). Auch die Mitgliederzahl war ein Thema, nachdem fast der Allzeitrekord von 23 600 erreicht ist. Ebenso ging es aber auch um wiederbelebte Sparten wie die Skisportabteilung. Und nicht zuletzt: Um das Dauerthema Grünwalder Stadion.

Natürlich war die gewählte Location zugleich ein Statement. „Wir sind nun mal in Giesing daheim. Daher der Treffpunkt im Giesinger Bräu“, sagte Reisinger und bestätigte erstmals öffentlich, dass sein Präsidium daran setzt, die alte Löwengrube auch dauerhaft zur 1860-Heimat zu machen. Allerdings: Mit einer ganz anderen Strategie als jener, die etwa das selbst ernannte „Team Profifußball“ fährt. Reisinger drückte es so aus: „Wir sind dran, aber es hilft nichts, durch Brusttrommeln Stärke zu demonstrieren. Da ist einfach diplomatisches Geschick vonnöten – und intelligentes politisches Handeln.“

Zum Beispiel, indem man der Einladung der SPD zum Sommerfest folgt und dort „zwischen Aperol Spritz und einer Wurstsemmel“ ungezwungen mit OB Dieter Reiter plaudert. Reisinger deutete an, dass es nicht bei der bereits genehmigten Kapazitätserhöhung von 12 500 auf 15 000 Zuschauer bleiben muss. 18 000 sind ein Ziel, das offenbar auch von der Rathaus-SPD befürwortet wird. Im September soll es dazu ein Treffen geben.

Laut Sitzberger ist es unerlässlich, dass sich Fans und Verantwortliche auch in der 3. Liga vorbildlich betragen. „Wenn’s auch mit mehr Zuschauern hinterher sauber ist, ändert sich die Einstellung zum Stadion“, sagt der Vize, der mit gutem Beispiel und seiner Kehrmaschinen-Flotte vorangeht. Reisinger verweist auf das Beispiel Darmstadt („Mit was für einem Stadion die in der Bundesliga gespielt haben . . .“) und sagt: „Der Trend geht ja zum urbanen Leben – und da könnte Sechzig ein Vorreiter sein.“ Eine kleine Spitze gegen seine Vorgänger kann er sich nicht verkneifen: „Bei 1860 hat noch jeder eine Wahl gewonnen, der ein Stadion versprochen hat. Ich verspreche kein Stadion, aber gutes, zielgerichtetes Handeln in dieser Frage.“

Wichtig sei, betonte er noch, dass auch bei diesem Thema beide Gesellschafter an einem Strang ziehen. Ansonsten äußerte er sich nur auf Nachfrage zu seinem speziellen Freund in Abu Dhabi. „Wir laden Herrn Ismaik gerne ein, mit uns diesen Weg zu gehen“, sagte er und stellte klar: „Ich setze nicht auf Konfrontation, aber auch nicht auf Kuschelkurs.“ Nach gut 80 Minuten war die Pressekonferenz beendet – die nächste stellte er erst für Mitte 2019 in Aussicht – „wenn wir zurück in der 2. Liga sind“.

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