DFB rutscht ins nächste PR-Debakel

von Redaktion

von arne richter und jens mende

Frankfurt – Die Aufarbeitung des WM-Desasters wird zum nächsten Debakel. Während Joachim Löw abgetaucht ist, verheddern sich Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Boss Reinhard Grindel in der Dauerdebatte um Mesut Özil. Die Krisenmanager des deutschen Fußballs bekommen auch nach dem WM-Aus die Erdogan-Affäre nicht in den Griff. Statt an Bierhoffs Befähigung als Architekt für den Neuaufbau der Nationalmannschaft nach dessen umstrittener Interview-Offensive zu zweifeln, fokussiert sich Grindel selbst auf die Personalie Özil und macht die Zukunft des seit Wochen schweigenden Nationalspielers von klaren öffentlichen Bekenntnissen abhängig.

Eine Erklärung über die offiziellen Verbandskanäle hielt Grindel nach dem medialen Schlingerkurs Bierhoffs in der Causa Özil nicht für notwendig. Dafür machte er im „kicker“ seine Vorstellungen für den Ablauf der Aufarbeitung deutlich: „Es stimmt, dass sich Mesut bisher nicht geäußert hat. Das hat viele Fans enttäuscht, weil sie Fragen haben und eine Antwort erwarten. Diese Antwort erwarten sie zu Recht. Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äußern sollte.“

Der Verbandschef forcierte damit nach dem Bierhoff-Interview in der „Welt“ erneut den Eindruck, dass Özil zum WM-Buhmann gemacht werden könnte. „Daneben müssen wir die sportliche Analyse abwarten und schauen, ob Joachim Löw weiter mit ihm plant“, sagte der DFB-Chef und bezeichnete dieses Vorgehen noch als fairen Umgang „mit einem verdienten Nationalspieler, der einen Fehler gemacht hat“.

Möglicherweise spekuliert man beim DFB auf eine Fortsetzung des Özil-Schweigens zu den umstrittenen Aufnahmen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Somit wäre sein Nationalmannschafts-Aus unvermeidbar und eine erste – viele Fans befriedigende – WM-Konsequenz gezogen.

Weiter ist offen, was genau Bierhoff und Löw strukturell und vor allem personell ändern wollen, um die gescheiterte Auswahl bis September wieder auf Kurs zu bringen – gerade, was die eigene Arbeit betrifft. Eine sachliche Bewertung des historischen WM-Scheiterns hat es noch nicht gegeben. Löw hat sich seit dem Flash-Interview am Frankfurter Flughafen keinen Fragen mehr gestellt. Bierhoff wiederum hat seine Befähigung zur Analyse und Umsetzung der notwendigen Schritte noch nicht erbracht. Immerhin äußerte er in die Defensive gedrängt in einem ZDF-Interview so deutlich wie nie seine und Löws Mitschuld an der Sommer-Pleite.

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