Messi, Ronaldo, Neymar, Özil

Stardämmerung

von Redaktion

Sechs Tage dauert die WM noch, ihre allergrößten Bilder wird sie erst noch produzieren. Aber wenn diese Bilder dann hinaus in die Welt gehen, wird keines der berühmtesten Gesichter zu sehen sein. Lionel Messi ist längst daheim, Cristiano Ronaldo mutmaßlich mit dem Umzug nach Turin beschäftigt, und nun hat auch Neymar die Rückreise angetreten.

Je größer der Name, desto größer die Fallhöhe – das ist zunächst mal nicht ungewöhnlich. Mit welcher Wucht aber die vermeintlichen Stars auf dem Boden harter Tatsachen landen, ist bemerkenswert. Zumal das Scheitern so unterschiedliche Facetten hat.

Nirgendwo zeigt es sich so radikal wie im DFB- Team. Dort ist Mesut Özil – teils selbstverschuldet – das Gesicht der WM-Katastrophe. Er hat tatsächlich eine Menge falsch gemacht, aber inzwischen wird der Eindruck vermittelt, dass er der Einzige war, dem Fehler unterliefen. Rund um den Mann, der sich für ein Foto in schlechte Gesellschaft begab, ist es einsam geworden. Auf die Fürsorge seines Verbandes braucht er nicht mehr zu hoffen.

Wenn man sieht, wie rigoros Özil als Alleinverantwortlicher hingestellt wird, können andere Größen beinahe froh sein. Ronaldo zum Beispiel ist fast noch gut weggekommen. An ihm lag es nicht, dass für sein Team das Turnier früh vorbei war. Grundsätzlich verfügt der Kader nicht über so furchtbar viele Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können. Und sich durchzumogeln wie bei der EM und jetzt in der Vorrunde, funktioniert nicht immer.

Bei Lionel Messi ist der Fall sensibler. Schon lange hat man den Eindruck, dass das Nationaltrikot auf seinen Schultern schwerer lastet als das des FC Barcelona. Wenn einer dann nicht über ein bretthartes Ego verfügt wie Ronaldo, kann sich eine fatale Dynamik einstellen, wie man sie in den letzten Wochen nicht zum ersten Mal sah. Grundsätzlich ist der Argentinier aber jemand, den die Leute mögen. Er ist still, fast schüchtern und pflegt keine Allüren.

Extravaganzen tolerieren die Menschen nur, solange der Erfolg da ist, und deshalb schlagen die Reaktionen bei Neymar jetzt so brachial um. An seiner Klasse gab es auch in Russland nichts zu deuteln. Aber selbst ein Spieler wie er, der tatsächlich extrem oft und hart gefoult wird, hat irgendwann keinen Kredit mehr, wenn er seinen Hang zur Theatralik so ungeniert auslebt, dass es peinlich wird.

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