WM-Gespräch mit . . . FREDL FESL

„Bald haben die Spieler einen Knopf im Ohr“

von Redaktion

-Herr Fesl, das deutsche Aus bei der WM ist nun schon ein paar Tage her – muss man so etwas auch einfach mal mit Humor nehmen?

Auf jeden Fall, denn: Ohne Gaudi is ois nix! Es ist nach wie vor ein Spiel. Das möchte man denjenigen sagen, für die eine ganze Welt zusammenbricht, nur weil Deutschland nach der Vorrunde ausgeschieden ist.

-Die deutsche (Fußball-)Seele hat ja doch sehr gelitten – was ist Ihr Tipp, und haben Sie auch mitgelitten?

Nein, ich bin kein Leidender. Ich bin aber auch keiner, der bei einem Sieg eine geschwollene Brust vor sich herschiebt und bei einer Niederlage die Schuld den anderen gibt.

-Sie als bayerisches Original – leidet man mit einem Thomas Müller besonders mit, gefällt er Ihnen, und wenn ja was?

Jahrelang war ein gewisser Gert Müller vom FC Bayern „Bomber der Nation“. Dann ist es um den Bayern-Star ruhig geworden. Aber jetzt mit Thomas Müller „müllerts“ wieder vor dem Kasten – und das ist gut so!

-Wie haben Sie die WM seither verfolgt – schauen Sie noch oder ist das Interesse weitgehend erloschen? Oder schauen Sie nun auf andere Dinge, auf die Freude der Russen zum Beispiel oder die der über viele Jahrzehnte geplagten Engländer?

Wenn ich nicht eingeschlafen bin, schaue ich immer mit einem Auge zu. Am Ende eines Spiels ist es immer beeindruckend, wie Menschen sich sooo freuen oder sooo weinen können.

– Gefällt Ihnen der britische Humor – das Team zeichnet sich durch viel Selbstironie aus . . .

Der britische Humor gefällt mir generell.

-Mit wem fiebern Sie mit – haben Sie ein Lieblingsteam oder hatten Sie ein anderes als Deutschland beziehungsweise neben Deutschland, die urigen Isländer zum Beispiel?

Momentan fiebere ich nicht, egal wer spielt.

-Wie steht es um Ihr Fußballherz generell? Das ist ja eine heikle Glaubensfrage hierzulande: FC Bayern oder 1860?

Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es mir egal, ob der FC Bayern oder der TSV 1860 in die Bayernliga aufsteigt.

-Sie schrieben 1976 das „Fußball Lied“. In dem heißt es: „Einer ist meist schwarz gekleidet, hat ein Ding, auf dem er pfeift, und die Spieler sind beleidigt, wenn er in die Tasche greift.“ Sind die Unparteiischen die ärmsten Hunde, haben Sie eine besondere Sympathie für sie?

Ich denke, Schiedsrichter werden es bald leichter haben. Denn wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es auf dem Spielfeld bald gar keine Schiedsrichter mehr geben. Die Spieler haben dann alle einen Knopf im Ohr, und die Entscheidungen werden ihnen per Funk übermittelt.

-Am Ende des Lieds heißt es „Für Geld, da kann man vieles kaufen – auch Leute, die dem Ball nachlaufen.“ Schwingt da auch etwas Sozialkritik mit? Und wie sehen Sie diese absurden Millionenbeträge, die heute für Cristiano Ronaldo und Kollegen aufgerufen werden?

Da die Gutverdiener ihre Gagen ja alle für soziale Zwecke spenden, sehe ich der Entwicklung wohlwollend entgegen und hoffe, dass es auf der Welt besser wird.

-„Am Ende der Meisterschaft, weiß man, wer am meisten schafft“, sangen Sie – ja, wer wird denn nun Weltmeister?

Nachdem Deutschland nicht mehr dabei ist – Kroatien.

Interview: Andreas Werner

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