Geburtstag im freien Raum

von Redaktion

Mit den Geburtstagen ist das im fortgeschrittenen Alter so eine Sache; so richtig cool ist das Event nicht mehr, wenn man merkt, die Puste geht aus – aus zweierlei Gründen: Die Zahl der Kerzen nimmt zu . . . und die Luft, naja, sie fliegt einem eben nicht mehr zu wie früher einmal.

Wer wie ich mit seinem Jubeltag alle zwei Jahre in direkte Konkurrenz zu einer Fußball-WM oder -EM tritt, weiß um die zusätzlichen Schwierigkeiten, den Tag schön zu gestalten. Plant man eine Party, muss man immer auch den Spielplan im Auge haben – und entsprechende Ausrüstung: Braucht man einen Beamer, eine Großbildleinwand, noch mehr gekühlte Getränke, noch mehr Bier? Einladungen in ein Restaurant fallen quasi aus, zumindest in größerem Rahmen; zu unsicher ist, ob man eben ein womöglich sogar deutsches Spiel berücksichtigen muss. Als Juli-Kind lernt man praktisch von klein auf fürs Leben: Eine Hochzeit ist im Zeitraum einer WM oder EM undenkbar. Geburtstage sind ja halb so wild, aber noch größere Feiermomente? In diesem Leben nicht!

In diesem Jahr ist es leichter gewesen, immerhin. Das deutsche Ausscheiden nahm Druck vom (Planungs-)Kessel, wir saßen ganz gemütlich in einem griechischen (bekanntlich kein WM-Teilnehmer) Lokal und ließen die WM WM sein. Der Ball rollte diesmal, wie ungewohnt, an uns vorbei. So ein Geburtstag im Abseits, im freien Raum, das hat ja mal was.

Allerdings rief sich der DFB trotz allem auch heuer ins Gedächtnis. Relativ unsensibel, obwohl die Sache freilich gut gemeint ist. Bereits um 6.43 Uhr morgens bekam ich eine E-Mail mit Glückwünschen des Verbands. Schon in der Betreffzeile stand – Schluck, Seufz – das neue Alter, und angefügt war ein Bild von Thomas Müller, der als Rückennummer die erschreckend hohe Zahl präsentierte. Bei Rückennummern ist das Problem folgendes: Sie sind groß gedruckt, damit man sie im Stadion selbst aus der Ferne noch gut sehen kann. Aber so stellt der Verband in seiner Mail ganz pragmatisch und fürsorglich eben auch sicher: Selbst wenn dem Jubilar langsam die Puste ausgeht – eine Lesebrille braucht er noch nicht, um die Glückwünsche zu entziffern. ANDREAS WERNER

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