Tennis

Im Gleichschritt ins Viertelfinale

von Redaktion

Julia Görges und Angelique Kerber nehmen fast synchron ihre Hürden

Von Doris Henkel

Wimbledon – Julia Görges war zuerst zurück in der Kabine, Angelique Kerber kam eine halbe Stunde später, und es blieb nicht viel Zeit für einen herzlichen, gegenseitigen Glückwunsch. Fast im synchronisierten Tempo landeten die beiden Besten des deutschen Frauentennis gestern im Viertelfinale der All England Championships, und beide fänden es ziemlich cool, wenn sie sich heute wieder als Siegerinnen begegnen würden. Nach ihrem Erfolg gegen Belinda Bencic in Runde vier (6:3, 7:6) wird Kerber heute gegen die pfiffige Russin Daria Kasatkina spielen (Beginn 14 Uhr MEZ), Görges tritt später am Nachmittag gegen Kiki Bertens aus den Niederlanden an.

In gewisser Weise wird es ein Spiel werden, auf das sie sehr, sehr lange gewartet hat. Fünfmal hatte Julia Görges bisher das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht, zuletzt bei den US Open 2017. Doch diesmal übersprang sie die nächste Hürde, und sie schaffte es mit einem souveränen Sieg gegen die Kroatin Donna Vekic (6:3, 6:2). Nach so vielen Jahren auf der Tour kann das keine Kleinigkeit sein – zumal bei einem Turnier, in dem sie zuvor fünf Jahre lang kein Spiel gewonnen hatte.

Angelique Kerber ist im ganzen wechselvollen Treiben bei den Grand-Slam-Turnieren in diesem Jahr die konstanteste Spielerin. Als einzige steht sie auch diesmal wieder im Viertelfinale. Als die Championships begannen, stand sie auf Platz zehn der Weltrangliste und auf Platz elf der Setzliste, und damit ist sie nun nominell die Beste der letzten Acht. Zum ersten Mal im halben Jahrhundert des Profitennis ist im Viertelfinale keine der ersten zehn der Setzliste zu finden, doch diese Sache hatte sich ja angedeutet, da schon seit dem Wochenende nur noch eine dieser zehn übrig war – Karolina Piskova – und die verlor gestern gegen Kiki Bertens aus den Niederlanden. Was Kerber dazu sagt, ob das ihre eigenen Chancen erhöht? „Ich versuche, nicht nach rechts und links zu schauen und mich auf das zu konzentrieren, was ich machen muss.“

Beim Sieg gegen Belinda Bencic klappte das bestens. Zu Beginn des Jahres hatte Kerber beim Hopman Cup in Perth im vierten Versuch zum ersten Mal gegen Bencic gewonnen, in den offiziellen Statistiken der WTA wird dieses Turnier aber nicht gewertet; da steht nun der Sieg vom Montag als erster drin. Kerbers Beziehung zu Wimbledon scheint nach wie vor zu stimmen; seit 2012 steht siedort nun zum vierten Mal im Viertelfinale. Aber es bleibt nicht allzu viel Zeit, darüber nachzudenken, denn es geht ja gleich weiter mit dem Spiel heute gegen Daria Kasatkina aus Russland, die Nummer 14 der Weltrangliste. In der Bilanz der beiden steht es nach sechs Spielen 3:3. Bei der sehr klaren Niederlage Anfang März in Indian Wells machte Kerber keine gute Figur, vor knapp zwei Wochen auf Rasen in Eastbourne gewann sie in drei hart umkämpften Sätzen.

Zwei der letzten acht Spielerinnen standen vor Beginn der Championships nicht auf der Liste der 32 Gesetzten: Dominica Cibulkowa aus der Slowakei und Camila Giorgi aus Italien. Cibulkova ruschte aus der Liste, weil sich der All England Club entschieden hatte, Serena Williams auf Position 25 unterzubringen, was ihr nicht besonders gut gefallen hatte. Giorgi, die nun im Viertelfinale gegen Williams spielen wird, lieferte jedenfalls den Spruch des Tages. Nachdem sie gefragt wurde, was ihr am besten am Spiel der großen Konkurrentin gefalle, antwortete sie ohne eine Miene zu verziehen: „Ich interessiere mich nicht für Frauentennis. Ich interessiere mich nicht für Tennis.“ Aber es war ihr offensichtlich ziemlich wichtig, dass das weiße Spitzentop gut saß, in dem sie zu dieser Pressekonferenz erschienen war.

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