Spanien baut auf Guardiola-Klon Luis Enrique

von Redaktion

Der Ex-Coach des FC Barcelona folgt auf den zurückgetrenen Fernando Hierro – Fokus auf Ballbesitz-Fußball und viel Pressing

Madrid – Alle Macht dem Guardiola-Klon Luis Enrique: Der Ex-Coach des FC Barcelona wurde vom spanischen Verband RFEF zum neuen Nationaltrainer des Weltmeisters von 2010 bestimmt. Enrique, bis 2017 bei den Katalanen tätig, erhält einen Zweijahresvertrag.

Unter Vorgänger Fernando Hierro, der als Feuerwehrmann kurz vor WM-Beginn für den gefeuerten Julen Lopetegui eingesprungen war, scheiterte die Furia Roja im Achtelfinale im Elfmeterschießen an Gastgeber Russland. Einstimmig habe sich das Präsidium für den 48 Jahre alten Ex-Nationalspieler entschieden, sagte Verbands-Präsident Luis Rubiales. In der kommenden Woche soll Enrique vorgestellt werden. Unter den drei verbliebenen Kandidaten war er der prominenteste Name gewesen. Enrique hatte die Katalanen als Nachfolger von Pep Guardiola in drei Jahren zu neun Titeln – darunter zwei spanische Meisterschaften und ein Champions-League-Triumph – geführt. Er gilt als treuer Schüler der Fußballdoktrin Guardiolas: Ballbesitz-Fußball, viel Pressing und schnelles Umschaltspiel. Seit einem Jahr war der 62-malige Nationalspieler ohne Job und hatte sein Interesse schon lange hinterlegt. Durch sein Charisma und seine großen Erfolge als Spieler und Trainer genießt er bei den spanischen Stars um Kapitän Sergio Ramos viel Respekt. Seine größte Aufgabe: Er muss die Asse von Barca und Champions-League-Sieger Real Madrid im Nationaldress vereinen.

Im Frühjahr 2017 hatte Enrique seinen Abschied von den Katalanen verkündet. „Ich verlasse Barca mit einer unglaublichen Verbindung zum Verein, zu den Spielern“, sagte er damals, „ich bin müde und brauche Erholung, sonst nichts. Wo sollte ich auch sonst hingehen, wo es besser wäre als hier.“ Ein gutes Jahr später wird er also Nationaltrainer Spaniens.

Man darf gespannt sein, ob Enrique auch personell eine Zäsur bei den erfolgsverwöhnten Spaniern einläutet. Die Auftritte in Russland ließen nach dem guten Auftakt gegen Portugal (3:3), als die Furia Roja Nehmerqualitäten bewies und einen 0:1- bzw. 1:2-Rückstand gegen den Europameister um Superstar Cristiano Ronaldo in einen 3:2-Vorsprung verwandelte, zu wünschen übrig.

Die WM leitete das Ende einer Ära ein, die vor allem mit dem Namen Andres Iniesta verknüpft ist. Der Mittelfeldstar wird nun Teamkollege von Weltmeister Lukas Podolski bei Vissel Kobe.

Kurz vor der Verpflichtung von Enrique hatte der Verband den früheren Nationaltorwart Jose Francisco Molina zum neuen Sportdirektor ernannt. Der 48-Jährige tritt damit die Nachfolge von Hierro an, der am Sonntag nach seinem erfolglosen WM-Intermezzo als Nationalcoach komplett Abschied vom Verband genommen hatte.

Molina war seit 2014 Coach von Kitchee FC in Hongkong. Zwischen 1996 und 2000 bestritt er neun Länderspiele für Spanien. Der ehemalige Keeper des FC Villarreal, Albacete Balompie, Atletico Madrid, Deportivo La Coruna und UD Levante nahm auch an der WM 1998 sowie an den EM-Endrunden 1996 und 2000 teil. sid

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