Argentiniens Fußballkrise

Deutsche Parallelen

von Redaktion

So lange ist es noch gar nicht her, dass sich Argentiniens Fußball ziemlich prächtig präsentierte. Vor vier Jahren lieferten sich die Albiceleste (=Weiß-Himmelblaue) ein erbittertes WM-Finale mit Deutschland und verloren unglücklich 0:1. Seither setzte in der stolzen Fußballnation, die immerhin zwei WM-Titel zu Buche stehen und mit Maradona & Messi zwei Fußballgötter hervorgebracht hat, ein kontinuierlicher Niedergang ein. Schon in der WM-Qualifikation waren die Gauchos drauf und dran, sich schrecklich zu blamieren. Beim globalen Turnier in Russland setzte sich die Serie missratener Vorstellungen fort. Das Achtelfinal-Aus sowie die gesamte WM-Bilanz (1 Sieg, 1 Remis, 2 Niederlagen) wurden in der Heimat als Schmach empfunden. Noch mehr enttäuscht hat bei dieser WM nur der Endspielgegner von 2014, Deutschland.

Die Hagelkörner der Kritik traf vor allem den Trainer: Jorge Sampaoli. Der 58-Jährige mit den üppigen Tätowierungen hatte schon im Vorfeld mit einer umstrittenen Personalentscheidung für erste Irritationen gesorgt, indem er auf den Stürmer Mauro Icardi verzichtete. Dieser hat in der vergangenen Saison 29 Mal für Inter Mailand in der italienischen Meisterschaft getroffen. Seine Torgefährlichkeit hätte für die Argentinier sehr nützlich sein können. Zudem ließ Sampaoli den hochbegabten Paulo Dybala (22 Saisontore für Juventus Turin) auf der Bank versauern.

Sein größtes Versäumnis aber war, dass er für Superstar Lionel Messi kein taktisches Konzept fand, das dem Wunderkicker die notwendigen Spielräume eröffnet hätte. So konnte der Hauptangreifer nur in ganz wenigen Momenten seine zauberhafte Ballfertigkeit aufblitzen lassen. Und es wird auch kein Zufall gewesen sein, dass Argentinien spielte wie sein Trainer wirkte: einfallslos. Diego Maradona, Argentiniens Legende und Cheffußballkritiker, zürnte als Stammgast auf der Tribüne nicht von ungefähr dem Trainer und erhob drohend die Hand Gottes. Sampaoli brauche, so Maradona, erst gar nicht mehr zurück nach Argentinien zu kommen.

Umso überraschender verkündete nun der heimische Fußballverband, dass der auch von den Medien heftig attackierte Coach wohl doch weitermachen darf. Die endgültige Entscheidung soll allerdings erst in einigen Wochen ein Exekutivkomitee treffen. Es wird also gezaudert, der Neuanfang hinausgeschoben. Auch das hat Argentiniens Fußball derzeit mit dem deutschen Erzrivalen gemeinsam.

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