Buenos Aires – Die Aufarbeitung des kläglichen WM-Auftritts von Argentinien entwickelt sich immer mehr zur nächsten großen Peinlichkeit. Nach einem Gipfeltreffen in Ezeiza bei Buenos Aires steht zunächst nur fest: Jorge Sampaoli bleibt vorerst Trainer, Ende des Monats soll das Exekutivkomitee des argentinischen Fußball-Verbands aber die Situation bewerten.
„Es ist nur eine Pause. Die Geschichte von Verstrickungen, Unsinn und Lügen wurde nicht beendet“, schrieb die Zeitung „La Nacion“ gestern. „Dieses ganze Elend und die Weiterbeschäftigung des Trainers kostet nur wertvolle Tage für den dringend notwendigen Neuaufbau der Nationalmannschaft“, wetterte die Sportzeitung „Olé“. Laut einer jüngsten Umfrage von „La Nacion“ wünschen sich 86 Prozent der Teilnehmer eine Absetzung Sampaolis.
Keine Entlassung durch den Verband, keine klare öffentliche Position durch Verbandschef Claudio Tapia und dessen Stellvertreter Daniel Angelici. Und auch kein Rücktritt von Sampaoli. Man habe Sampaoli auch nicht aufgefordert zu gehen, hieß es nach einem Treffen.
Immerhin kam man bei dieser Zusammenkunft aber auch zu dem Ergebnis, dass Sampaoli Ende des Monats die U20 des Landes bei einem Turnier in Spanien betreuen soll. Bemerkenswert ist daran, dass der 58-Jährige die Junioren als Ersatz für Sebastián Beccacece übernimmt. Dieser hatte nach der WM seinen Vertrag mit der AFA – wie zwei weitere Mitarbeiter aus dem Stab des Chefcoachs – aufgelöst.
Beccacece war einer von Sampaolis wichtigsten Assistenten bei der WM. Medienberichten zufolge war es zwischen den beiden aber zu einem Zerwürfnis gekommen. Öffentlich darüber reden wollte Beccacece auch am Montag nicht. „Was ich ihm zu sagen hatte, habe ich ihm ins Gesicht gesagt“, betonte der 37-Jährige bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von CSD Defensa y Justicia aus der Provinz Buenos Aires.
Bei einer Entlassung Sampaolis in diesem Jahr würde Medienberichten zufolge eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe fällig werden. Sampaoli war vom Verband vor gut einem Jahr aus seinem bis diesen Sommer laufenden Vertrag beim spanischen Erstligisten FC Sevilla herausgekauft worden.
Die aktuelle Lage um die Nationalmannschaft des zweimaligen Weltmeisters Argentinien scheint festgefahren. Mitarbeiter, die von Sampaoli abrückten. Rücktritte von altgedienten Akteuren wie Wortführer Javier Mascherano. Spieler, die sich bei allen bedankten nach der missglückten WM, nur nicht bei Sampaoli. Und ein Kapitän Lionel Messi, von dem seit dem WM-Aus im Achtelfinale nichts zu sehen und nichts zu hören ist. Ob er mit 31 Jahren seine Karriere im Nationaltrikot beendet? Keiner weiß es. dpa