WM-Gespräch mit . . . Günther Sigl

„Ich habe eine Schwäche für Straßenfußballer“

von Redaktion

-Herr Sigl, würden Sie ein Lied zur Weltmeisterschaft schreiben, dann hieße es . . . ?

Mbappé. . . , ja Mbappé, Mbappé. Ok, er ist Franzose, also muss man da etwas Entsprechendes dichten. Aber das könnte ich mir gut vorstellen. Der Bursche gefällt mir sehr gut, das ist der neue Pele. Und da weiß ich, wovon ich spreche. Pele, Garrincha, die Brasilianer – als ich ein Kind war, waren das die Großen. Und natürlich die Deutschen. Die 54er Weltmeister mit Fritz Walter.

-1954 waren Sie sieben Jahre alt. Sie haben früh angefangen.

1954 war das erste Mal in meinem Leben, dass ich in einen Fernseher geschaut habe. In der Siedlung, in der ich gewohnt habe, hat eine Familie einen Fernseher gehabt Da sind wir dann am Fenster gehängt und haben ins Wohnzimmer reingeschaut. So habe ich alles mitbekommen, von Morlock, Rahn. Und danach haben wir das dann immer nachgespielt. Ich habe dauernd Fußball gespielt. Aber nur auf der Straße. Nie im Verein.

-Haben Sie dann auch eine spezielle Schwäche für Straßenfußballer?

Na sicher. Wobei es bei der Weltmeisterschaft viele interessante Typen gibt. Lukaku von den Belgiern zum Beispiel. Der ist so ein Brocken und so schnell, den hältst du nicht. Aber solche Typen brauchst du.. Die sich durchsetzen können, die sich was trauen und auch mal eins gegen eins gehen. In der Hinsicht hat man von Unseren leider gar nichts gesehen.

-Das schreit nach dem nächsten WM-Lied: Skandal um Jogi. . .

So kann man das natürlich auch sagen. Nein, sie sind jetzt halt mal früh ausgeschieden, das ist vielen Großen schon passiert. Keiner gewinnt immer. Und diesmal hat einfach vieles gefehlt. Da war keine Inspiration, kein Schwung – der absolute Wille, etwas zu reißen, war nicht da. Und sie haben jezt auch gemerkt, dass dieses Ballgeschiebe nicbts bringt. Die Deutschen haben ein bisschen so gespielt wie die Bayern früher.

-… die damit aber immer erfolgreich waren.

Ja klar, wir haben das ja selbst miterlebt und haben bei Champions-League-Finals für die Fans im Stadion gespielt. In Barcelona damals – ok, das war nicht so schön. Oder zwei Jahre später in Mailand. Aber auch Bayern braucht heute Typen wie Robben, Ribery – oder der junge Franzose. Coman, der gefällt mir auch sehr gut. Aber wie gesagt, man muss auch nicht übertreiben. Erinnern Sie sich doch an 2004. Damals war die Nation am Boden, jeder hat von Rumpelfüßlern gesprochen. Zwei Jahre später gab es das Sommermärchen. Mein Gott, jetzt spielen halt mal andere um den Titel, das ist auch ok

-Kroatien beispielsweise, das noch nie Weltmeister war…

Ja, die sind sehr stark. Allerdings haben sie jetzt zweimal bis ins Elfmeterschießen spielen müssen. Da bin ich mal sehr gespannt, ob die noch Kraft für das Halbfinale haben. Aber mei, dann halt die Engländer, das hat es auch schon länger nicht mehr gegeben. Ich gönne es allen, die so weit gekommen sind. Auch wenn es ein bisschen schade ist, dass die Europäer im Halbfinale unter sich sind. Gerade die Südamerikaner haben eigentlich sehr gut gespielt.

-Doch sogar Brasilien ist hängen geblieben.

Das ist schade. Gerade Neymar ist so ein toller Spieler. Auch wenn ich sein Theater nicht verstehe. Da hält er sich die Backe und in der Zeitlupe siehst du, dass es ihn am Hintern erwischt hat. Das hat er eigentlich nicht nötig.

Interview: Patrick Reichelt

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