Lewandowskis Sinneswandel

von Redaktion

Der Pole sieht seine Zukunft doch wieder beim FC Bayern

von marc beyer

München – Wenn man die letzten Bilder zum Maßstab nimmt, scheint es Robert Lewandowski schon wieder ganz gut zu gehen. Das allerneueste Instagram-Motiv zeigt ihn zwar abgekämpft auf einer Yogamatte, um den Hals ein Frotteetuch. Aber vermutlich soll die Botschaft nicht „Ich bin so müde“ lauten. Sondern eher „Ich greif wieder an“.

Das zu betonen, ist dem polnischen Nationalstürmer gerade sehr wichtig. Seine zwei großen Zielgruppen werden die Ansage aufmerksam zur Kenntnis nehmen. Die Fans der Nationalmannschaft sind noch immer enttäuscht vom überaus blassen WM-Auftritt ihres Teams, dessen Kapitän zunächst auf dem Platz wirkungslos blieb, ehe er zu einer ungewöhnlich scharfen Kritik an seinen Mitspielern ansetzte („Aus nichts kann ich nichts machen“). Nun richtet er also den Fokus auf die neue Saison – und damit auf die Qualifikation für das nächste Großturnier, die EM 2020.

Noch interessanter ist Lewandowskis Karriereplanung für den FC Bayern. Dort sind die Bosse mit dem konkreten Verdacht in die Sommerferien gegangen, dass ihr bester Stürmer sich gerne räumlich verändern würde (dem sie aber sofort eine sehr konkrete Absage entgegenstellten). Neuerdings ist davon keine Rede mehr. Einem „Bild“-Bericht zufolge sieht Lewandowski, der nächsten Monat 30 wird, seine Zukunft nun doch wieder in München. Und das hat eine ganze Menge mit den vergangenen Wochen zu tun.

Als der Stürmer zur WM in Russland aufbrach, stand die Aussage eines Beraters im Raum, sein Mandant spüre, „dass er eine Veränderung und eine neue Herausforderung in seiner Karriere braucht“. Deutlicher kann man kaum auf Abschied drängen, aber schon an dieser Stelle wurde es unübersichtlich. Pini Zahavi, besagter Berater, ist nicht der Einzige, der offiziell Lewandowskis Interessen vertritt. Er ist allerdings der Einzige, der mit aller Macht einen Vereinswechsel anstrebt. Zahavi hat nur ein Mandat für diesen Sommer und drängt entsprechend vehement auf einen Transfer.

Man weiß bei Robert Lewandowski nie so ganz genau, wie er zu solchen Themen steht. Er ist kein Mann klarer Worte, alles Unbequeme überlässt er seinem Management. Als Spieler hätte er auf dem Platz den wertvollsten Beitrag leisten können, um einen Transfer in Gang zu bringen. Doch dazu hätte das WM-Turnier vollkommen anders laufen müssen – und vor allem für die Polen deutlich länger.

Jeder redet in diesen Tagen über den pfeilschnellen Mbappé, den wuchtigen Lukaku, den mitreißenden Rebic und den zuverlässigen Kane. Über den im Liga-Alltag gefährlichen, bei der WM aber unscheinbaren Lewandowski, der bis vor kurzem die Hoffnung hatte, bei Real Madrid unterzukommen, redet keiner. Der schindet sich nun im Urlaub, nicht nur auf der Yogamatte. Damit er nach der Rückkehr zu den Bayern flott in Schwung kommt.

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