München – Die besten Deals werden traditionell bei feinen Geschäftsessen angebahnt. Kulinarisch geht es allerdings auch eine Nummer kleiner – wenn dafür der Rahmen stimmt. Es war jedenfalls ein perfekter Sommerabend, als die SPD-Stadtratsfraktion Anfang Juli ins Palmenhaus des Nymphenburger Schlosses lud. Festlicher Empfang der Roten – mit einem Blauen mittendrin: 1860-Präsident Robert Reisinger, der nach eigener Darstellung bescheiden am Buffet zugriff – und trotzdem auf seine Kosten kam.
„Bei einer Wurstsemmel und einem Aperol Spritz“ habe er sich bestens mit OB Dieter Reiter unterhalten, berichtete Reisinger vergangenen Freitag. Und wer weiß: Womöglich wusste er zu diesem Zeitpunkt schon mehr über die Pläne der Rathaus-SPD, die gestern publik wurden.
„SPD fordert: Grünwalder Stadion auf 18 600 Zuschauerplätze ausbauen!“ Diese plakative, aktuell durchaus populäre Betreffzeile stand über einer E-Mail, die gestern in den Münchner Zeitungsredaktionen eintraf. „Das städtische Stadion an der Grünwalder Straße ist die Heimat der Sechzger“, heißt es im Begleittext: „Umso mehr, seit die erste Herrenmannschaft wieder dort spielt. Für die Fans wurde das Stadion bereits ausgebaut.“ Nämlich auf 15 000 ab der bevorstehenden Saison.“ Aber, greift die Rathaus-SPD in die ewig junge Debatte ein: „Es geht noch mehr, heißt es immer wieder.“ Bloß: Wie viel genau?
Genau das möchte sie schnellstmöglich herausfinden. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Verena Dietl, Sprecherin für Sportpolitik, sagt: „Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Löwen dauerhaft eine Heimat in Giesing haben.“ Ein Statement, das Wasser auf die Mühlen der aktuellen Vereinsführung ist. Weiter führt Dietl aus: „Dazu halten wir eine Erweiterung der Zuschauerkapazität auf mindestens 18 600 Zuschauer für sinnvoll.“ Auch das Wort „mindestens“ dürfte Reisinger mindestens so gut schmecken wie ein mit Eis und Schirmchen verzierter Aperol Spritz.
Dietls Forderung: „Die Stadtverwaltung soll prüfen, ob dieser Ausbau machbar ist – und welche Maßnahmen dazu nötig wären. Außerdem wollen wir endlich wissen, wie viele Plätze maximal verfügbar gemacht werden können, damit diese Diskussion auf einer guten Grundlage geführt werden kann.“ Die Prüfung solle die Vorschriften der DFL ebenso berücksichtigen wie die Themen Lärmschutz und Verkehr. Dietl erwartungsfroh: „Wir sind gespannt auf das Ergebnis!“
Nicht nur sie. Bereits am Freitag hatte Reisinger verkündet, dass seine Löwen auch im Falle eines Aufstiegs in die 2. Liga in der Giesinger Heimat bleiben wollen. „Die Stadt muss sich darauf einstellen, dass wir da sind – und am besten auch nicht mehr rauswollen“, sagte er, wollte die Darstellung aber nicht als Forderung missinterpretiert wissen. „Das geht nicht durch Brusttrommeln, sondern nur durch gemeinsame vertrauensvolle Gespräche“, sagte er.
Und siehe da: Schon scheint wirklich Bewegung in die Sache zu kommen. Die Stadtverwaltung lässt derzeit referatübergreifend untersuchen, welche maximale Zuschauerkapazität ohne Umbaumaßnahmen und großen finanziellen Aufwand möglich wäre. Mit einem Ergebnis ist frühestens im Herbst zu rechnen. Im August ist Sommerpause, zumindest in der Politik. Durchgesickert ist aber bereits, dass 18 000 problemlos machbar wären.
Die Zeit scheint für die Löwen zu spielen. Oder wie es Reisinger ausdrückt: „Wir wollen mit Ergebnissen kommen – nicht mit Träumereien.“ uli Kellner / Klaus Vick