St. Petersburg – Antoine Griezmann sank vor Glück auf die Knie, Trainer Didier Deschamps tanzte mit seinen Assistenten im Kreis, und in der Heimat feierten die Fans in den Straßen von Paris eine Riesenparty. Die Grande Nation steht dicht vor dem ganz großen Triumph. Dank Torschütze Samuel Umtiti vom FC Barcelona hat Frankreichs Nationalmannschaft den WM-Traum des kleinen Nachbarn Belgien zerstört und greift 20 Jahre nach dem Triumph im eigenen Land nach dem zweiten Titel.
Nach dem 1:0 (0:0) im spielerisch enttäuschenden Halbfinale gegen den ewigen Geheimfavoriten gehen die vom 98er-Kapitän Deschamps trainierten Franzosen am Sonntag ins Finale gegen Kroatien oder England. „Ich bin superstolz. Wir haben Druck gemacht. Wir haben gedrängt. Ich habe das Glück gehabt. Wir haben ein großes Match gemacht“, sagte Umtiti im TV-Interview.
Die Partie in St. Petersburg bot statt des erhofften Offensiv-Spektakels viel taktische Disziplin. Abwehrspieler Umtiti köpfte das Siegtor für die Équipe Tricolore (51.) nach einem Eckball. Somit greifen in Stuttgarts Shootingstar Benjamin Pavard und dem diesmal spät eingewechselte Münchner Corentin Tolisso auch zwei Bundesliga-Spieler am Sonntag nach dem Pokal.
Deschamps könnte nach Brasiliens Mario Zagallo und Franz Beckenbauer als dritter Fußballer überhaupt einem WM-Titel als Spieler den Triumph als Trainer folgen lassen. „Ich bin sehr glücklich für meine Spieler. Schwer war es heute gegen eine starken Gegner. Chapeau, für meine Spieler. Es ist etwas Außergewöhnliches“, sagte er.
Viel Kontrolle, nur keine Fehler machen. Die Grundtugenden für ein WM-Halbfinale waren bei beiden Teams erkennbar. Besonders die Franzosen verzichteten auf jedes Pressing. Lücken sollten vermieden werden gegen den belgischen Kombinationsfußball um den diesmal ineffektiven Kevin De Bruyne. Auf eigenen Kontern um den schnellen Kylian Mbappé ruhten die Hoffnungen.
Die Belgier mussten sich gefährliche Aktionen geduldig erarbeiten. De Bruyne war weitgehend zugestellt – wie auch Romelu Lukaku im Sturmzentrum. So war es Eden Hazard, der die Akzente setzte. Zunächst ging ein Schuss des Kapitäns knapp vorbei (15.). Dann fälschte Verteidiger Raphaël Varane per Kopf einen Versuch gerade noch so ab (18.). Frankreichs Torwart Hugo Lloris hätte keine Chance gehabt.
Kurz darauf rettete der Schlussmann von Tottenham Hotspur vor Marouane Fellaini (20.) mit der Faust und gleich danach bei einem Drehschuss seines Londoner Club-Kollegen Toby Alderweireld (22.) mit starker Reaktion auf der Linie.
Frankreich war zu passiv – und reagierte nun. Stoßstürmer Olivier Giroud setzte einen Kopfball (31.) als erstes Signal. Nach einer Hereingabe von Mbappé bekam er dann keinen Druck auf den Ball (34.). Die beste Chance hatte der Stuttgarter Benjamin Pavard, der aus spitzem Winkel an Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois (39.) scheiterte.
Frankreich traute sich nach der Pause mehr. Giroud wurde von Vincent Kompany (50.) im Strafaum gerade noch geblockt. Und eine Standardsituation – typisch für diese WM – brachte das Tor. Denn bei dem folgenden Eckstoß entwischte Umtiti der Bewachung von Alderweireld und Fellaini und köpfte zur Führung ein.
Das Tor setzte den Belgiern mächtig zu. Giroud hätte sogar schnell erhöhen können, wurde bei seinem Versuch aber gerade noch von Moussa Dembelé (56.) geblockt. De Bruyne lieferte ausgerechnet im Halbfinale sein schlechtestes WM-Spiel. Hazard konnte keine Akzente mehr setzen. Fellaini köpfte knapp daneben (65.). Lloris parierte einen Schuss von Witsel (81.). Belgiens Goldene Generation hatte keinen Glanz mehr. dpa