Beinfreiheit

von Redaktion

Die meisten liegen inzwischen auf einer Couch oder Strandliege – dennoch haben die besten Stücke der WM-Kicker mal wieder begeistert

VON ANDREAS WERNER

München – Eigentlich hätte Xherdan Shaqiri den FC Bayern niemals verlassen dürfen. Diese Waden, die waren wie gemacht für die Isarmetropole, egal, ob zum Fußballspielen oder für die Wiesn. Der Schweizer, den sein früherer Trainer Heiko Vogel wegen seiner Muskelberge „Ninja Hero Turtle“ nannte, verließ München aber dennoch nach insgesamt glücklosen Jahren. Bei der WM zeigte er – wenn er nicht gerade mit seinen Händen den Doppel-Adler formte –, dass seine Beine noch immer herausstechen.

Das Turnier steuert das Finale an, es ist höchste Zeit, mal über das beste Stück der Herren Fußballer zu reden. Wobei der Singular Schmarrn ist in diesem Fall. Shaqiri und Kollegen haben ja zwei beste Stücke. Was ist über die Beine dieser WM zu sagen? Zunächst einmal: die meisten sind schon zuhause, lagern inzwischen bequem auf einer Couch in Schwabing oder einer Strandliege in San Lucia. Sie flanieren in weißem Sand, sie betätigen Gaspedale von Sportwägen oder bringen ihre Liebsten (meistens Models) in schöne Lokale. Manche liegen nutzlos rum, manche werden von ihren Besitzern vielleicht schon wieder malträtiert, denn Beine, die zuhause sind, wenn es auf ein Finale zugeht, haben in erster Linie etwas falsch gemacht. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die schweren Beine mit einem Mann zurechtkommen, den ein paar Etagen weiter oben, Richtung Gestirne, ein beispiellos ehrgeiziger Kopf krönt. Cristiano Ronaldo ist dieser Tage sicher ein Beinquäler. Schon zu normalen Zeiten soll er keinen Tag ohne Extra-Übungen für seine beiden kapitalen Extremitäten verstreichen lassen.

Ein Membrum inferius (Bein) besteht medizinisch gesehen aus Gesäß und Beckengürtel (Cingulum pelvicum; Cingulum membri inferioris), der Hüfte (Coxa), dem Hüftgelenk (Articulatio coxae), Oberschenkel (Femur), Knie (Articulatio genus), Unterschenkel (Crus) und Fuß (Pes), wobei sich Letzterer aufgliedert: Ferse (Calx), Fußwurzel (Tarsus), Mittelfuß (Metatarsus) und Zehen (Digiti pedis). Die ganzen Knochen, Muskeln, Sehnen, Gelenke, Bänder, Nerven, Blut- und Lymphgefäße sowie der Hautüberzug machen bei einem durchschnittlichen Erwachsenen rund ein Fünftel des Körpergewichts aus. Beide Beine zusammen gut 40 Prozent. Damit also begeistern Ronaldo, Shaqiri und ihre Kameraden die Fans.

Um zu begeistern, trimmen sie ihre guten Stücke, vornehmlich mit Beinstrecken, Knie- und Beinbeugen, denn von Nichts kommt ja Nichts, wobei festzuhalten bleibt, dass es sogar so ein Storchenbein wie der Münchner Thomas Müller schon auf zehn WM-Tore gebracht hat – wenn auch jetzt in Russland kein weiterer Treffer dazu kam. Nichtsdestotrotz ist er der kickende Beweis, dass es im Fußball nicht nur auf Äußerlichkeiten ankommt. Die Beine müssen vom Kopf oben schon auch noch richtig geleitet werden. Zu Müller gibt es zudem zu sagen, dass er im Training nie faul rumliegt. An ihm wachsen Muskeln einfach nicht so wie beispielsweise bei Shaqiri, über den Vogel einst sagte, der müsse eine Hantel ja nur anschauen, schon würden die Pakete um ein paar weitere Zentimeter anschwellen. Genützt hat es dem Schweizer am Ende ja dennoch nichts. Als Pep Guardiola kam, musste Shaqiri gehen. Seine Muskeln verstanden die Laufwege nicht, die der Katalane vorgab. Thomas Müller hingegen durfte bleiben. Die Wege des Fußballs sind manchmal unergründlich, aber in dem Fall muss man nicht groß grübeln über Sinn und Unsinn bayerischer Beinfreiheit. Müllers Waden passen schon per Geburtsrecht zum deutschen Rekordmeister. Und zur Wiesn auch. Wozu sonst soll denn der liebe Gott den Bayern zur Lederhosen Loferl und Stutzen geschenkt haben?

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