Kössen – Wenn Günther Gorenzel über Fußball doziert, kann er seinen Magister der Sportwissenschaft kaum verbergen. Alles hört sich nach Analyse an, nach modernster Trainingssteuerung, kurzum: nach sehr harter Arbeit.
In Kössen kann man diese Verwissenschaftlichung sogar beobachten. Auf dem Platz, wo die 1860-Profis spezielle Brustgurte tragen – und am Spielfeldrand, wo ein Helfer sitzt und via Laptop jene Daten überwacht, die über die „Sport-BHs“ (Gorenzel) zu ihm gelangen. „Herzfrequenz, GPS-Signale“, klärt der Sportchef und Teilzeit-Coach auf: „So kannst du live ablesen, wie viel der Spieler läuft, wie viele Sprints er anzieht, mit welchem Tempo . . .“ Und ob er eine Pause braucht.
Bereits im Winter kam das System zum Einsatz, aber nur ab und zu – für Gorenzel viel zu selten. „Pass auf“, habe er gesagt: „Wir nutzen das jetzt intensiv und flächendeckend, weil man aus meiner Sicht wirklich viele gute Daten rauslesen kann.“ Zum Beispiel, dass die Spieler pro Einheit 7 bis 8 Kilometer unterwegs sind, bis zu 40 Mal sprinten. Die Löwen sind sozusagen digitale Wesen geworden, gläserne Spieler, die das Herz jedes Wissenschaftlers höher schlagen lassen.
Mit Kontrolle habe das aber gar nichts zu tun, betont Gorenzel. Alles geschehe zum Wohle der Spieler. Wobei er schon zugibt, dass sich die Technik nicht austricksen lässt: „Außer ich bind’ es meinem Hund um und lasse den laufen.“ Faule Hunde dagegen fliegen unweigerlich auf. Aber, so Gorenzel grinsend: „Die haben bei uns eh keine Chance, weil die Trainer sehr genau zuschauen.“ ulk