Hinten solide, vorne trifft Abruscia

von Redaktion

Löwen gewinnen Testspiel gegen den russischen Erstligisten FK Ufa mit 1:0 – Bierofka: „Sind auf einem guten Weg“

von uli kellner

Angerberg – Daniel Bierofka grinste. Die Sprache kam auf die ruppige Gangart auf dem Platz, nachdem Alessandro Abruscia das einzige Tor des Abends geschossen hatte (80.). Eric Weeger war von einem Spieler des FK Ufa rüde umgemäht worden – eine Sache, die Trainer in Testspielen nicht sehr schätzen. Diesmal jedoch kam sie dem Löwen-Coach gelegen. „Ist doch gut, dass es auch mal in der Vorbereitung kracht“, sagte er: „So geht’s auch in der 3. Liga zur Sache. Auch für die Härte ist das gut, von demher hat das gut gepasst heute.“ Sein Eindruck vom neu formierten Team, das er nach seinem vierten Block an der DFB-Akademie erst gestern wiedergesehen hatte: „Alle haben es gut gemacht. Keiner ist abgefallen. Wir sind auf einem guten Weg, das sieht man.“

Pünktlich zum ersten Spiel des Tirol-Trainingslagers waren auch die Allesfahrer wiedervereint. Roman Wöll, von Anfang an in Kössen dabei, erhielt Unterstützung von Fritz Fehling und Franz Hell, der einen WM-Besuch hinter sich hat – und nun einen Kontrast erlebte. Im hübsch gelegenen Angerberg, unweit der Wallfahrtskirche Mariastein, durfte sich die treue Herrenriege an glücklich überstandene Regionalligazeiten erinnert fühlen. Idylle pur, Naturtribüne wie in Pipinsried, dazu freundliche Gastgeber, die vor dem Anpfiff sogar einen 1860-Evergreen einspielten: „Bin i Radi, bin i König.“

In der Aufstiegssaison war Marco Hiller Späterbe von „bestes Löwen-Torwart“ aller Zeiten. Gestern, beim zweiten Härtetest nach dem 1:1 gegen Basel, stand Rivale Hendrik Bonmann zwischen den Pfosten. Nicht in die Startelf schafften es auch andere Relegationshelden, u.a. Kapitän Felix Weber. Der Konkurrenzkampf ist spürbar härter geworden, und von den zehn Sommerzugängen durften sich bewähren: Last-Minute-Innenverteidiger Simon Lorenz, Herbert Paul und Marius Willsch, die die rechte Seite beackerten. Auf der Sechs Quirin Moll, einer der neuen Anführer. Und vorne: Adriano Grimaldi, Sascha Mölders neuer Sturmpartner.

Gegner FK Ufa, in Mayrhofen im Zillertal untergebracht, trat mit der Empfehlung an, sich für die Ausscheidungsrunde zur Europa League qualifiziert zu haben, die Saison in Russland startet parallel zur 3. Liga, so gesehen waren beide Teams auf ähnlichem Trainingsniveau.

Trotzdem ging die erste Halbzeit an die etwas griffigeren Russen. Alexander Sukhov hatte zwei erstklassige Chancen, scheiterte einmal an der Latte (7.), einmal am aufmerksamen Bonmann (40.). Die Löwen kamen in der 12. Minute gefährlich vors Tor, als Willsch flankte und Mölders einen Drehschuss in Richtung angrenzender Wiese drosch. Auch Benjamin Kindsvater hatte eine beherzte Aktion, doch nach 40 Metern im Dribbeltempo fehlte dem Linksaußen die Übersicht. Allesfahrer Hell war dennoch angetan. „Schaut doch im Großen und Ganzen in Ordnung aus“, meinte er und hob den eifrigen Mölders hervor: „Der holt sich sogar Bälle an der Mittellinie. Der Konkurrenzkampf macht ihm anscheinend Beine.“

Bierofka, frisch zurück aus Hennef, gönnte sich jedenfalls den Luxus, zur zweiten Halbzeit zehn frische Feldspieler zu bringen, darunter die Zugänge Nummer sechs bis neun: Abruscia und Kristian Böhnlein als Mittelfeldachse, Stefan Lex und Efkan Bekiroglu offensiv im nun gewählten 4-2-3-1-System. Lediglich der junge Semi Belkahia musste sich mit Dauerlauf neben dem Platz begnügen.

Torszenen wurden nach der Pause immer seltener, beide Teams neutralisierten sich weitgehend – bis Abruscia einen Konter abschloss, der Bierofka ins Schwärmen brachte. „Ein Lehrbeispiel für Umschaltspiel war das“, sagte er und lobte demonstrativ auch den zweiten Anzug, den er natürlich nicht als solchen sieht. „Die Jungs sollen es mir maximal schwer machen. Das ist ihre Aufgabe. Wichtig ist aber, dass wir unseren Geist vom letzten Jahr in der Mannschaft behalten. Das machen wir, das sieht man.“

Zur Belohnung geht’s heute zum Wasserskifahren, aber erst nach einem „Läufchen – und zwei knackigen Stunden auf dem Trainingsplatz“.

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