Real Madrid

Ronaldos Erbe: Hazard allein reicht nicht

von Redaktion

Von Tobias Gmach

Madrid – 450 Tore schoss Cristiano Ronaldo in 438 Pflichtspielen für Real Madrid. Folgt man dieser Quote, kann den neuen Juventus-Stürmer aktuell kein anderer Mensch ersetzen. Zumindest nicht alleine. Einen Teil des Erbes – Torvorlagen, Dribbelkünste, Freistöße – könnte Chelseas Eden Hazard verwalten. Dank überragender WM wird er als Nachfolger Nummer eins gehandelt. Nach dem 2:0-Sieg Belgiens im Spiel um Platz drei gegen England machte der 27-Jährige selbst klar: Er will weg aus London – und nach Madrid.

In Spaniens Hauptstadt sorgt man sich aber trotzdem um die Zukunft. Hazard allein reicht eben nicht. Journalisten finden nach dem „CR7“-Abgang Worte wie auf einer Trauerfeier: „Er geht von uns, der Albtraum in Vollendung“, schreibt die Zeitung „As“. Auch in Turin huldigen sie dem Torgaranten – so als wäre er Gott persönlich: „Die Welt ist seine Bühne, und er besetzt sie ganz“, liest man in der „Gazzetta dello Sport“. Juves Facebook-Auftritt gleicht einer Fanseite. Cristiano überall: spaziert im Maßanzug über den Trainingsplatz, schlendert beim Medizincheck auf dem Laufband, trommelt sich vor einer riesigen Cristiano-Leinwand auf die Brust.

Während der 33-jährige Superstar die größtmögliche mediale Aufmerksamkeit für sich beansprucht, sickern in Sachen Hazard immer mehr Details durch: Die belgische Tageszeitung „Heet Laatste Nieuws“ berichtet von einem 225 Millionen Euro schweren Transferpaket zwischen Real und Chelsea. Die Einzelteile: 170 Millionen für Hazard, 55 Millionen für WM-Top-Torwart Thibaut Courtois.

Der belgische Doppeldeal würde in der Liga der Rekordsummen spielen, die der 222- Millionen-Mann Neymar anführt. In der Zeitrechnung der Superteams ist es verdammt lange her, dass die Königlichen in solche Dimensionen vorstießen: 2013 kam Gareth Bale aus Tottenham für 101 Millionen Euro, 2014 folgte Kolumbiens damaliger WM-Held James für 75 Millionen. Apropos: „Er trägt Real in seinem Herzen. Ich würde es begrüßen, wenn er zurückkehrt.“ Mit diesen Worten hatte James’ Adoptiv-Vater Juan Carlos Restrepo im spanischen Radiosender „Cadena SER“ Spekulationen angeheizt. Die Berateragentur des Bayern-Spielers beendete sie aber schnell: James werde seinen zweijährigen Leihvertrag erfüllen und in München bleiben – genau wie Robert Lewandowski: Der 29-Jährige mit Vertrag bis 2021 wäre gerne zu Real gegangen, doch die Bayern-Bosse zeigten sich nicht gesprächsbereit. Aus dem Rennen um die Ronaldo-Nachfolge sind wohl auch Neymar und Kylian Mbappé. Beide beteuern laut PSG-Jugend-Sportdirektor Luis Fernandez, in Paris bleiben zu wollen. Die Namen Harry Kane (Tottenham) und Mauro Icardi (Inter) sind aktuell nichts mehr als Gerüchte.

Aber wer bleibt den Königlichen dann noch? Der neue Real-Trainer Julen Lopetegui muss das Erbe der Tormaschine auf mehr als zwei feine Hazard-Füße verteilen. Die Erwartungen sind trotz Champions-League-Sieg hoch, der dritte Platz in der Liga soll sich nicht wiederholen. Lopetegui muss deshalb auch die eigenen Reihen zusammenhalten. Laut dem britischen „Mirror“ trifft sich der neue Coach noch diese Woche mit Flügelstürmer Gareth Bale zu einem klärenden Gespräch. Der 29-jährige Waliser möchte nach dem Abschied von Trainer Zinedine Zidane und Ronaldos Verkauf wissen, ob er als Stammspieler gesetzt ist. Konkurrenzlos ist der zweifache Torschütze des Champions League-Finals nicht: In die Startelf wollen auch Marco Asensio (22), Lucas Vázquez (27) und der Brasilianer Vinícius Júnior (18), der für 45 Millionen Euro von Flamengo kam.

Bei Juve dreht sich alles nur um einen Namen – wohl auch noch in den kommenden Tagen. Der Weltfußballer Ronaldo verließ Turin übrigens noch am Abend seiner Präsentationsgala. Das erste Training mit „CR7“ steigt am 30. Juli. Für seinen Berater Jorge Mendes ist laut „Sky Sport“ schon jetzt klar: „Er ist der beste Fußballer der Geschichte. In Manchester und Madrid war er der Beste. Bei Juve wird es dasselbe sein.“

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