Ab sofort sind Männer gefragt

von Redaktion

Eine Woche vor dem Start schwört Teamsenior Mauersberger die Löwen auf die Erfordernisse der 3. Liga ein

von uli kellner

Karlsfeld – Neue Liga, neue Schauplätze, neue Ideen. Neun Tage vor der Drittliga-Premiere auf dem Betzenberg stand für die Löwen-Profis ein Ausflug nach Karlsfeld auf dem Programm: „Saisoneröffnungs-PK“ bei Co-Sponsor MAN, Werksführung inklusive. Ehe die Spieler Einblick in die Produktionsstätte ihres Luxusgefährts erhielten, wurde ein Frage-und-Antwort-Spiel inszeniert – in ungewohnter Umgebung. Blank polierte Busse bildeten die Kulisse, auf dem Podium saß unter anderem Sky-Moderator Michael Leopold. Selbst das Publikum war anders als gewohnt, was schon auffiel, ehe es offiziell losging.

Prototyp Grimaldi

Neben Leopold nahmen Neuzugang Herbert Paul, Teamsenior Jan Mauersberger und Sportchef Günther Gorenzel Platz – im Auditorium die Mannschaft neben der Journalistenriege. Die erste Frage stellte jedoch Sascha Mölders, der aus dem Spielerpulk heraus den Ton vorgab. „War das Trainingslager in Kössen nicht hart genug, wenn man danach noch Kraft hat, um mit dem Zelt auf den Berg zu gehen?“ Rechtsverteidiger Paul, der entsprechende Fotos gepostet hatte, lächelte verschmitzt. Den privaten Zweitage-Trip zum Spitzingsee scheint er genauso genossen zu haben wie seine ersten vier Wochen im Kreise des TSV 1860. Auch Mölders grinste zufrieden, weil er den jungen Kollegen gekonnt getriezt hatte.

Das Auftaktgeplänkel passte zum Rest der Veranstaltung. Es wurde viel geflachst, gelacht – und immer wieder auf den großen Trumpf dieser Löwen hingewiesen: den im Aufstiegsjahr gewachsenen Zusammenhalt – der augenscheinlich auch durch zehn Neuzugänge nicht gelitten hat. Klassensprecher Mauersberger brachte es auf den Punkt. „Bei der Spielersuche wurde auch Wert auf den Charakter gelegt“, sagte er und gab seine Eindrücke nach zwei Übungscamps und handgezählten 43 Einheiten wieder: „Es sind richtig gute Jungs dabei. Das hat man schon gemerkt. Wir werden auch dieses Jahr wieder eine sehr mentalitätsstarke Mannschaft auf dem Platz haben.“

Und weil er die alten und neuen Kollegen gerade so schön vor sich sitzen hatte, teilte Mauersberger, 33, auch mit, worauf es in der bevorstehenden Drittligasaison ankommen werde. „Wir werden noch mehr zu Männern werden müssen“, sagte der in 15 Profijahren gestählte Innenverteidiger. Als Prototyp nannte er den neuen Sturmtank Adriano Grimaldi, 27: „Robust, körperlich hart.“ In der Regionalliga sei es doch so gewesen, „dass einige Gegner ab der 60. Minute weggebrochen sind“. Das werde in der 3. Liga anders sein. Aber: „Die Ergebnisse in den Testspielen geben uns Recht. Ich bin sehr optimistisch, dass der Charakter der Mannschaft auch diese Saison einige Punkte gewinnen wird.“

Basierend auf dem Teamgeist setzt Gorenzel auf die im Aufstiegsjahr bewährte Spielweise. „Unsere Identität wird gleich bleiben“, erklärte der Teilzeitvertreter von Trainer Daniel Bierofka: „Intensiv und kompakt gegen den Ball arbeiten, schnell umschalten – das ist unsere DNA.“ Auf gut Deutsch: Fußball soll erst gearbeitet, dann gespielt werden. „Das versuchen wir in jeder Trainingseinheit zu vermitteln. Es geht um die Basics. Wir bauen auf dem auf, was wir letztes Jahr angefangen haben, feilen sehr intensiv an den Details und sind schon relativ weit damit.“

Für den Auftakt wähnt Gorenzel die Löwen gerüstet – mit einer Saisonprognose hält er sich dennoch zurück. „Wir wollen Fuß fassen in dieser Liga“, sagte der Sportchef, den Ball betont flach haltend: „Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte ansammeln. Danach kann man schauen, wie viele Spieltage noch übrig sind und ob man sich noch über andere Dinge unterhalten kann.“ Seine Favoriten? „Die beiden Absteiger FCK und Braunschweig. Trotzdem fahren wir frohen Mutes zum ersten Spiel. Es ist besser, Kaiserslautern am ersten Spieltag zu erwischen als nach vier, fünf Wochen, wenn sie sich gefunden haben.“

Fein raus ist Herbert Paul. Als einem von vier Zugängen winkt ihm auf Anhieb ein Stammplatz (neben Moll, Lex, Grimaldi). Auch auf das unruhige Umfeld bei 1860 hat er sich gedanklich eingestellt: „Langweilig wird’s bestimmt nicht.“ Und wie es sich anfühlt, einen Gipfel zu erklimmen, weiß er auch schon. Über seine Bergtour mit Abenteuercamping sagte er: „Das hat richtig gut getan. Nachdem ich in Kössen keine Zeit hatte, die Natur zu genießen, habe ich das eben am Spitzingsee nachgeholt.“

Artikel 9 von 11