Die Deutschland-Tour als Strohhalm

von Redaktion

Marcel Kittel verlässt schwer geschlagen und frustriert die Frankreich-Rundfahrt – und ist dabei in bester Gesellschaft

L’Alpe d’Huez – Als die Tour gestern in L’Alpe d’Huez ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte befand sich Marcel Kittel bereits auf dem Heimweg. „Ich bin enttäuscht“, hatte Kittel noch hinterlassen.Das Verpassen des Zeitlimits der schwierigen Alpenetappe am Mittwoch nach La Rosiere war der letzte Akt einer Rundfahrt zum Vergessen. In den Sprints chancenlos, vom eigenen Sportlichen Leiter öffentlich bloßgestellt und nun also am Berg ausgesiebt: Für seinen Frust hatte Kittel genügend Gründe.

Die 108,5 km lange 11. Etappe mit vier Bergwertungen sei ein „Hammer“ gewesen, sagte Kittel: „Ich glaube nicht, dass wir in den letzten Jahren solche Etappen hatten.“ Er wisse nicht, wie er so ein Teilstück überleben solle,

Um rund ein Drittel hatte der 30-Jährige das Zeitlimit verfehlt, neben dem Briten Mark Cavendish und dessen Helfer Mark Renshaw (Dimension Data) war Kittel der einzige zeitbedingte Ausfall des Tages. Gestern mussten in Teamkollege Rick Zabel, Marcel Sieberg sowie Top-Sprinter Andre Greipel auf dem Weg nach L’Alpe d’Huez drei weitere deutsche Fahrer den Bergen Tribut zollen.

Ohne Unterstützung seines Katusha-Teams erreichte Kittel das Ziel weit hinter dem Gruppetto, in dem sich abgehängte Fahrer versammeln. „Was mir zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich mich nicht habe hängen lassen. Ich habe Vollgas gegeben“, sagte Kittel: „Ich kann mir kein Bein abreißen und weniger wiegen.“

Kittels Kritiker, die seine Form hinterfragten, durften sich dennoch bestätigt fühlen, auch die in den eigenen Reihen. Mit der Empfehlung von fünf Tour-Etappensiegen 2017 war er zum Team Katusha-Alpecin gewechselt. Seither gewann Kittel aber nur zwei Etappen bei Tirreno-Adriatico im März.

„Es lief nicht alles rund dieses Jahr“, sagte Kittel, der ausdrücklich die sportlichen Leistungen meinte. Doch auch Nebengeräusche machten ihm bei der Tour de France zu schaffen. Sportdirektor Dimitri Konyschew hatte Kittel in einem Interview „Egoismus“ vorgeworfen. Das Vertrauensverhältnis ist beschädigt, die Trennung wohl absehbar.

Er habe nun etwas Zeit sagte Kittel: „Ich ruhe mich ein bisschen aus. Das Jahr ist nicht vorbei.“ Die nächste Chance folgt im August – dann wartet die wieder belebte Deutschland Tour. id

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