München – Sven Döpke und seine Kollegen von der Allianz in Unterföhring wollen zeigen, was sie draufhaben. Sie zählen zu den 30 000 Menschen, die sich im Namen ihres Arbeitgebers für den Münchner Firmenlauf „B2Run“ angemeldet haben. Döpke und Co. verkaufen an diesem Tag also keine Versicherungen, sondern joggen die sechs Kilometer lange Stecke durch den Olympiapark bis zum Zieleinlauf durch das Marathontor. „So etwas schweißt zusammen“, sagt Döpke,
Und genau darin liegt das Geheimnis der Firmenläufe, die sich stetig steigender Beliebtheit erfreuen. „Durch solche gemeinsamen Erlebnisse verbessert sich das Arbeitsklima – es ist Teambuilding, bei dem die Leute sogar noch etwas für ihre Gesundheit tun“, betont Lars Gerling, Geschäftsführer von „B2Run“, das die Serie organisiert. Seit der Premiere im Jahr 2004 hat sich das Projekt stetig vergrößert. Mittlerweile gehen die jährlich rund 200 000 Läufer in 17 verschiedenen Städten an den Start. Beeindruckende Zahlen. In München sind die 30 000 Startplätze jedes Jahr viele Monate vor dem Event komplett ausgebucht – heuer so früh wie nie zuvor.
Dass dieses Mal in München letztlich nur rund 15 000 Menschen mitliefen, lag an einem starken Gewitter. Es zwang die Veranstalter zu einem Abbruch, ehe die restlichen Teilnehmer starten konnten. „Wir hätten die Sicherheit aller Läufer nicht garantieren können“, betont Lars Gerling.
Eine Erklärung für den Firmenlauf-Boom der vergangenen Jahre liefert Magdalena Neuner. „So ein Lauf steigert den Zusammenhalt in der Arbeit und motiviert jeden einzelnen dazu, wieder mehr für die eigene Fitness zu tun“, sagt die frühere Weltklasse-Biathletin. Sie ist Schirmherrin der Serie. Ihr gefällt der Gedanke, die Menschen aus dem Bürostuhl auf die Laufstrecke zu bewegen. „Sitzen ist ja heutzutage das neue Rauchen.“
Wie schwer es ist, im Alltagsstress zwischen 40-Stunden-Arbeitswoche und Familienleben Zeit zu finden, seinen Körper auf Vordermann zu bringen, ist Neuner bewusst. Als mehrfache Mutter bleiben auch bei ihr die Trainingsklamotten öfter im Schrank als ihr lieb ist. Daher sei es für die Menschen umso wichtiger, dass Sport und Arbeit bei Gelegenheit einhergehen. „Es ist wichtig, sich nicht selbst zu vergessen“, betont sie.
Ein Plus der Firmenläufe ist der Breitensport-Charakter. Auch wenn es natürlich einen Sieger gibt – in München lief der Schnellste die sechs Kilometer in bemerkenswerten 18:37 Minuten – steht das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. „90 Prozent unserer Läufer haben keine Ambitionen auf Spitzenzeiten“, sagt Veranstalter Gerling. Die meisten seien einfach froh, einmal das Büro gegen Natur und frische Luft tauschen zu können.