Höwedes ohne Zukunft auf Schalke

von Redaktion

Ex-Kapitän trainiert mit, spielt für Trainer Tedesco aber keine Rolle

Gelsenkirchen – Benedikt Höwedes, königsblaues Urgestein, stapfte im roten Leibchen zum Training. Und etwa 200 Schalker Fans schauten genau hin, als ihr Liebling von einst nach fast einem Jahr wieder mit der Mannschaft auf dem Platz stand. Höwedes (30), der ehemalige Kapitän, wärmte sich gewissenhaft auf und ließ sich nicht hängen – eine Zukunft in Gelsenkirchen hat er aber nicht. Das zeigte sich auch auf dem Trainingsplatz: Bei den Spielformen schaute Höwedes nur zu. Trainer Domenico Tedesco verzichtete auf ihn.

Seit dem 1. Juli ist Höwedes wieder Schalker, nachdem sein sportlich unglückliches Intermezzo bei Juventus Turin beendet war. Doch schon auf die China-Reise hatte der Weltmeister von 2014 in Abstimmung mit den Vereinsbossen verzichtet, um seine Zukunft zu klären. „Beide Seiten haben ein Interesse daran, dass wir getrennte Wege gehen“, hatte Sportvorstand Christian Heidel Anfang der Woche gesagt. Bis er einen neuen Klub gefunden hat, werde Höwedes ganz normal behandelt.

335 Pflichtspiele absolvierte Höwedes für Schalke. 2003 kam er im Alter von 15 Jahren, seit 2007 ist er Profi. 2011 erlebte er den ganzen Schalker „Wahnsinn“ in einer Saison. Er wurde Pokalsieger und erreichte mit dem Klub das Halbfinale der Champions League, in der Liga steckte Königsblau dagegen lange im Abstiegskampf.

Dass Schalke seine dienstälteste Identifikationsfigur nicht mehr benötigt, wurde schon in der vergangenen Saison deutlich. Ohne Höwedes wurde der Klub Zweiter in der Bundesliga. Eine Bestätigung für Heidels Weg, den er seit seiner Ankunft 2016 eingeschlagen hat. Nach dem Höwedes-Abgang hatte er aber Kritik einstecken müssen: Teile der Schalker Fans bezeichneten ihn als „Identifikationsschänder“, und auch Tedesco wurde nach seiner unglücklichen Aussage in Richtung Höwedes, Reisende solle man nicht aufhalten, heftig verbal angegriffen.

Doch das Geschäft ist auch bei einem Traditionsverein wie Schalke schnellebig. Schon sieben Monate nach den Unmutsbekundungen riefen die Fans Tedesco beim 2:0-Sieg gegen Dortmund in die Kurve. Der Coach, der wenig auf Verdienste aus der Vergangenheit gibt, hat sich zum großen Hoffnungsträger entwickelt.  sid

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