Ohne Rücksicht auf Namen

von Redaktion

Löw muss womöglich schmerzhafte Änderungen vornehmen – Hitzfeld traut ihm das nicht zu

von thomas niklaus

Frankfurt – Für Bundestrainer Joachim Löw war noch nicht „der richtige Zeitpunkt“ gekommen, „sich zu äußern“. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte nach stundenlangen Beratungen nur kurz, die Gespräche seien „sehr gut“ verlaufen. Doch über Ergebnisse der mit Spannung erwarteten Analyse des historischen WM-Desasters wurde erst einmal nichts bekannt.

Frühestens heute nach einer turnusmäßigen Präsidiums-Sitzung des DFB könnten erste Konsequenzen aus dem Scheitern in Russland präsentiert werden, heißt es aus DFB-Kreisen. Löw will nach Bild-Informationen zuvor aber noch mit allen Beteiligten und „möglichen Opfern“ persönlich sprechen.

Gestern setzten Löw und sein Trainerstab um die beiden Assistenten Marcus Sorg und Thomas Schneider gemeinsam mit Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff die intensiven Diskussionen fort. Am Mittwochmittag und damit deutlich früher als erwartet hatte die WM-Klausur in der DFB-Zentrale in Frankfurt begonnen. Bis zum frühen Abend saßen die Verantwortlichen im Büro von Bierhoff zusammen. Grindel soll rund eine Stunde dabei gewesen sein.

Zuvor wies der DFB-Chef offenbar seine Landespräsidenten per Mail an, zum Thema Löw und Nationalmannschaft öffentlich zu schweigen. Die Stimmung an der Basis ist angespannt. Dennoch hielten sich die Präsidenten der Regional- und Landesverbände gestern an die offizielle Linie. Mehr noch: Sie sprachen Löw und Bierhoff das Vertrauen aus. Man sei sich einig, „dass es an den sportlich verantwortlichen und über viele Jahre äußerst erfolgreichen Köpfen der Nationalmannschaft keinen Zweifel gibt“, hieß es in einer vom DFB veröffentlichten Mitteilung.

Franz Beckenbauer empfiehlt Löw eine konsequente Linie ohne Rücksicht auf Namen. „Löw muss bei der Nominierung hart sein, Dankbarkeit bringt ihn nicht weiter“, sagte er der „Bild“. Dem Vernehmen nach ist der Bundestrainer in seiner Analyse drei Wochen nach dem WM-Aus inhaltlich schon sehr weit gekommen. Eigene Fehler, der Neuaufbau der Mannschaft möglicherweise ohne langjährige Säulen, die Veränderung des Spielsystems – bei all diesen Themen liegen wichtige Erkenntnisse vor.

Nach Ansicht von Ottmar Hitzfeld können Veränderungen im Trainerstab an der Loyalität von Löw scheitern. „Ich glaube, dass es psychologisch für ihn schwierig wird, gewisse Lösungen herbeizuführen, weil er ein eingespieltes Team hat“, sagte der frühere Coach von Borussia Dortmund und FC Bayern. „Löw ist zutiefst loyal. Und sich von Mitarbeitern zu trennen, ist äußerst schwierig.“

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