Es war klar, dass die Zahlen grausam sein würden. Wie grausam und verantwortungslos die Bosse des TSV 1860 im Jahr des Doppelabstiegs gewirtschaftet haben, das können Fans und Schaulustige seit Mittwoch auf der Internetseite des Bundesanzeigers studieren. Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung (Sonntag, 10 Uhr, Zenith) und deutlich früher als üblich hat Geschäftsführer Michael Scharold das Dokument des Schreckens zur Veröffentlichung freigegeben. Allein der Jahresfehlbetrag in der Horrorsaison 2016/17 stellt alle Negativrekorde der Vergangenheit in den Schatten: 22 Millionen Euro betrug er (Vorjahr: 1,6 Mio.) – bedingt natürlich dadurch, dass sämtliche Spielerverträge mit dem Absturz in die Regionalliga ungültig waren und die Transferwerte von Profis wie Stefan Aigner auf Null gesetzt wurden. Aber auch die Explosion auf dem Gehältersektor (18,2 Mio. statt 11,6) hat eine Rolle gespielt. Eine Übersicht der haarsträubendsten Posten.
DARLEHEN BEIM INVESTOR: Bekanntlich hat sich das Präsidium um Robert Reisinger auf die Fahne geschrieben, keine neuen Darlehen bei Hasan Ismaik aufzunehmen. Eine Folge der maßgeblich von Vorgänger Peter Cassalette begleiteten Finanzpolitik im Jahr des Doppelabstiegs. Gleich fünf neue Darlehen in einer Gesamthöhe von 12 Mio. Euro haben die Bilanz belastet, sie dienten u.a. der Finanzierung teurer Profis wie Aigner, Ivica Olic und dem Brasilianer Ribamar, dem wohl größten Transferflopp der Vereinsgeschichte. Die Folge ist, dass der Fehlbetrag, das Eigenkapital betreffend, auf 19,9 Millionen Euro anwuchs. „Die Gesellschaft ist zum Stichtag 30. Juni 2017 bilanziell überschuldet“, heißt es in Scharolds Bericht. Das nicht unerwartete Fazit lautet: „Die Folgen aus den sportlichen Misserfolgen werden den Club über einen längeren Zeitraum begleiten.“
GESAMTVERSCHULDUNG BEI ISMAIK: Darlehen in Höhe von 11 Millionen Euro hat Ismaik bis 2019 gestundet, um die positive Fortführungsprognose zu ermöglichen, 12,6 Mio. Euro sind mit einem Rangrücktritt versehen, Darlehen in Höhe von 28,5 Mio. wurden in Genussrechte umgewandelt, um die Eigenkapitalquote zu entlasten.
TRANSFERERLÖSE: Den hohen Ausgaben für teure Profis steht eine kleine Summe an Transfererlösen gegenüber: Insgesamt 2,4 Mio. Euro erzielten die Löwen durch den Verkauf von Linus Tempelmann (Freiburg) und Kilian Jakob (Augsburg), durch Zusatzzahlungen für Felix Uduokhai (Wolfsburg) und einer Beteiligung am Weiterverkauf von Sven Bender an Bayer Leverkusen.
GESCHÄFTSFÜHRER: Die sportliche Talfahrt ging mit einer einmaligen Fluktuation in der Chefetage einher. Sage und schreibe sieben Geschäftsführer gaben sich in nur einem Geschäftsjahr (Juli 2016 bis Juni 2017) die Klinke in die Hand: Markus Rejek, Noor Basha, Raed Gerges, Thomas Eichin, Anthony Power, Ian Ayre und Markus Fauser. ulk