Botschaft an die Amateure

von Redaktion

Karl-Heinz Rummenigge übt scharfe Kritik an der DFB-Spitze und bringt Philipp Lahm für ein Amt ins Gespräch

München – Karl-Heinz Rummenigge ist frisch aus den Sommerferien zurück. Das Gesicht ist gebräunt, und die ungewohnten Bartstoppeln lassen noch auf einen gewissen Urlaubsmodus schließen. Der erste öffentliche Termin am Freitag, der den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern gemeinsam mit Jupp Heynckes in die Erlebniswelt führt, ist dann zunächst auch ein erfreulicher. Aber irgendwann kippt die Stimmung.

Es ist viel passiert, seit er in den Urlaub verschwunden ist, deshalb gibt es nun allerhand zu bereden. Dass dies dermaßen drastisch geschieht, ist aber selbst bei Rummenigge, der eine scharfe Klinge zu führen versteht, bemerkenswert. Er scheint nur auf ein Stichwort zu warten, damit er seine Meinung zur WM, dem frühen Ausscheiden und dessen Bewältigung loswerden kann. Und schon als er dem DFB dabei die „Fußballkompetenz“ abspricht, ist die Tonart vorgegeben.

Rummenigge fühlt sich erinnert an den Sommer 2000, der als Tiefpunkt der jüngeren deutschen Fußballgeschichte gilt. Da habe man „eine EM in den Sand gesetzt“, ähnlich wie nun die Weltmeisterschaft. Damals jedoch „gab es einen Profi an der Spitze, Gerhard Mayer-Vorfelder, der sich mit den Verantwortlichen der Bundesliga hingesetzt und dann relativ schnell mit klugen Schachzügen die Kurve gekriegt hat“. Die Nachwuchsleistungszentren, die später so viele Talente hervorbrachten, wurden in dieser Zeit geboren.

Den Namen Reinhard Grindel nimmt Rummenigge kein einziges Mal in den Mund, aber das muss er gar nicht. Die Botschaft ist auch so klar: Mayer-Vorfelder war ein Profi, Grindel ist ein Mann ohne Fußballkompetenz. Später legt er nach, der DFB sei „durchsetzt von Amateuren“, und erinnert an das Treffen der Landesverbände am Donnerstag in Frankfurt. Dort habe man „die Landesfürsten eingeladen und mit viel Valium beruhigt“. Er bezweifle, „dass so die richtigen Ansätze gefunden werden mit diesen Leuten“. Namentlich nennt er Rainer Koch, den Chef des Bayerischen Fußballverbandes. Stunden später reagiert Grindel, hält sich aber auffällig zurück. Er arbeite mit Rummenigge „sehr gut zusammen“ und wolle das auch beibehalten

Es hat sich eine Menge aufgestaut, nicht nur durch das WM-Debakel. Generell ist der DFB nach Rummenigges Empfinden zu sehr dem Amateurlager zugeneigt, auch das spielt im ewigen Ringen um Macht eine Rolle. „Der DFB muss sich mehr dem professionellen Fußball öffnen und sich nicht nur verantwortlich zeigen für den Amateurfußball. Die haben ihre Berechtigung, die sind die Wurzel des Fußballs, alles okay.“ Aber für die Masse sei eben doch interessanter, „was die Nationalmannschaft abliefert“.

In diesem Zusammenhang nennt Rummenigge am Ende noch Philipp Lahm, der sich zuletzt mit kritischen Worten gemeldet hatte, und dessen Berater Roman Grill „perfekt passend“ für den DFB. Günstigerweise seien nächstes Jahr Wahlen. „Das wäre vielleicht eine interessante Lösung, Philipp Lahm als Vizepräsident zu installieren“. Im Verband könne auf diese Weise „ein Stück mehr Professionalität“ einziehen. Ein letzter Hieb mit scharfer Klinge.  mb

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