Valence – John Degenkolb mobilisierte die letzten Kraftreserven, gegen die Übermacht des Weltmeisters war der letzte deutsche Top-Sprinter bei der 105. Tour de France aber schlichtweg wehrlos. „Peter Sagan ist ein Ausnahmefahrer“, sagte Degenkolb anerkennend, nachdem er im Zielsprint der 13. Etappe nach Valence ohne Chance geblieben war.
Sagan, immer wieder Sagan. Bereits zum dritten Mal gewann der Slowake vom Raublinger Team Bora-hansgrohe am Freitag eine Etappe der Tour 2018. Am ersten Renntag nach den für die Sprint-Elite folgenreichen Alpen-Strapazen verwies er mit einer Energieleistung den Norweger Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) und Arnaud Demare aus Frankreich (Groupama-FDJ) auf die Plätze.
Froome schwärmt: „Sagan ist ein unglaublicher Typ“
„Ein fantastischer Sieg“, sagte Sagan, „alle hatten heute schwere Beine nach den harten Alpenetappen, aber meine Jungs haben sich wieder voll für mich aufgeopfert.“ Zudem merkte der Mann in Grün an: „Mein Timing im Sprint hat vielleicht gut ausgesehen, aber ich denke, ich war heute etwas zu spät. Bei 600 m musste ich viel Kraft investieren, um ans Rad von Kristoff zu kommen. Von dort konnte ich auf den letzten Metern gerade noch vorbeiziehen. Ich bin froh, dass es gerade noch gereicht hat.“
Degenkolb (Gera/Trek-Segafredo), Gewinner der neunten Etappe nach Roubaix, wurde Vierter. „Es hat nicht viel gefehlt“, sagte Degenkolb: „Aber so viel, dass es nicht zum Podium gereicht hat. Die Beine waren heute recht schwer.“ Auch Sagan hatte am Donnerstag nach dem Höllenritt nach L’Alpe d’Huez über den „extrem harten“ Tagesabschnitt geklagt, ließ sich davon am Freitag beim Zielsprint aber wenig anmerken. Sky-Kapitän Chris Froome befand: „Er ist ein unglaublicher Typ.“ Sagans Unerschütterlichkeit ist umso erstaunlicher, als am Freitag sein Privatleben in die Schlagzeilen geriet. Mehrere Zeitungen berichteten, dass er sich nach knapp drei Jahren Ehe von seiner Frau Katarina Saganova trennt.
Der 28-Jährige baute mit seinem neuerlichen Triumph zugleich die ohnehin komfortable Führung in der Punktewertung aus. Der sechste Gewinn des Grünen Trikots ist ihm kaum noch zu nehmen. „Es ist jetzt einfach wichtig, nach Paris zu kommen. Es wäre schön, dort zu gewinnen. Aber es kommen noch viele harte Tage“, sagte Sagan.
Im Gelben Trikot fährt weiter Geraint Thomas. Der Brite, nominell die Nummer zwei im Sky-Team von Titelverteidiger Chris Froome, musste nach zuletzt zwei hart erkämpften Etappensiegen vergleichsweise wenig Energie für einen weiteren Tag im Maillot Jaune investieren. „Es war deutlich angenehmer“, sagte Thomas. Er führt in der Gesamtwertung weiter mit 1:39 Minuten Vorsprung auf Froome.
In den Finalsprint griffen einige Top-Fahrer gar nicht mehr ein. Die deutschen Etappenjäger Marcel Kittel und Andre Greipel, aber auch Ex-Weltmeister Mark Cavendish sowie die zweimaligen Etappensieger Fernando Gaviria und Dylan Groenewegen hatten ihre Tour-Teilnahme in den Alpen unfreiwillig beendet. Kittel und Cavendish waren am Mittwoch aus dem Zeitlimit gefallen, Greipel und Co. stiegen am Donnerstag auf dem Weg nach L’Alpe d’Huez in den Besenwagen. Die fordernde Streckenführung im Hochgebirge sorgte für Kritik.
Greipel kritisiert: „Zu viel Spektakel“
„Ich weiß aus Erfahrung, dass man nach Paris-Roubaix drei, vier Tage Ruhe haben möchte. Der Körper hat überall Erschütterungen, egal, ob man gestürzt ist oder nicht. Und danach fährt man drei Alpenetappen mit 13 000 Höhenmetern. Für mich ist dieses Spektakel zu viel gewesen in diesem Jahr“, sagte Greipel am Freitag.
Am Samstag beginnt schon die nächste Kletterei. Die 14. Etappe startet am Samstag in Saint-Paul-Trois-Chateaux und streift bei der Zielankunft nach 188 km in Mende das südliche Zentralmassiv. Vier Bergwertungen, von denen keine die zweite Kategorie überschreitet, machen die Etappe für Ausreißer attraktiv. Auch für Sky heißt es, auf der Hut zu sein. Froome meinte: „Es werden Attacken kommen.“