Die gute Nachricht aus Sicht aller 1860-Mitglieder: Es soll dieses Jahr nicht ganz so heiß werden wie die letzten Male. 24 Grad sind angesagt für den Münchner Norden. Dazu kommt eine Regenwahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Allzu viel Bade- oder Freizeitspaß dürfte der Löwen-Basis also nicht entgehen, wenn sie sich in die düstere Versammlungshalle Zenith zurückzieht. Nur eines nämlich scheint gewiss vor einem wieder einmal wegweisenden Sonntag im Juli: Ausdauer ist gefragt. Acht Stunden sind angesetzt, Minimum. Denn wie gewohnt mangelt es an einem nicht: an Konfliktstoff.
Nach der Auflage 2017, die dem historischen Doppelabsturz folgte und Robert Reisinger auf den Chefsessel spülte, geht es 2018 um eine Richtungsentscheidung. Die Mitglieder sind aufgerufen, den Verwaltungsrat zu wählen und müssen sich dabei überlegen: Geben sie ihre Stimme den amtierenden Räten, die den investorkritischen Kurs des Präsidiums Reisinger stützen? Oder hieven sie bis zu neun Kandidaten des sog. „Team Profifußball“ ins Gremium? Angeführt wird dieses vom Ex-Profi Bernhard Winkler, der es eilig hat, mit den Löwen wieder dorthin zu gelangen, wo er einst selber für Sturm und Drang gesorgt hatte: in die 1. Liga.
Auf den ersten Blick sind es zwei wenig kongruente Konzepte, die sich da gegenüber stehen. Hier die romantisch anmutende Idee, dass Fußball made in Giesing auch langfristig Spaß machen kann, wenn man an der Retrolinie festhält: weniger Kommerz, weniger Komfort in der antiken Heimstatt, und vor allem: weniger finanzielles Harakiri. Dort die nicht näher konkretisierte Idee, den Altmeister im Schnellverfahren wieder in der besseren Gesellschaft des deutschen Profifußballs zu verankern. Mit straffem Zeitplan, mit Mut zum Risiko und vor allem: mit Fremdmitteln – selbst, wenn diese vom umstrittenen Partner Hasan Ismaik stammen.
Wer sich im Löwen-Kosmos auskennt, der ahnt: Man wird sich erbitterte Rededuelle liefern, die gebuchte Zeit im Zenith bis zum Äußersten ausreizen. Spricht im Prinzip auch nichts dagegen. Eine ausgeprägte Streitkultur gehört zum TSV wie der Löwe im Wappen. Eines jedoch sollten alle Mitglieder in ihrem Eifer bedenken: Ganz so weit, wie es scheint, sind die beiden Lager gar nicht voneinander entfernt: Alle wollen Erfolg, alle wollen im Prinzip in Giesing bleiben, alle das Beste für ihren TSV. Auch die Anregung der Opposition, Geldgeber Ismaik mit Respekt zu begegnen, ist grundsätzlich zu begrüßen.
Daher, Löwen: Geht mit gutem Beispiel voran! Streitet fair und respektiert einander. Dann klappt’s vielleicht auch noch mit einem Feierabendbierchen, ehe es Nacht wird im Münchner Norden.