Botschaften an Boateng & Co.

von Redaktion

Der Wechsel des Weltmeisters nach Paris zeichnet sich ab, die Verpflichtung des Talents Davies ist fix

von marc beyer

München – Als Karl-Heinz Rummenigge am Dienstagabend in Philadelphia das Mikrofon ergriff, war es in München noch tiefe Nacht. Seine Worte hatten also genug Zeit, um über die üblichen Kommunikationskanäle den Weg in die Heimat anzutreten, pünktlich zum Frühstück und anschließend auch zum Trainingsstart der deutschen WM-Teilnehmer. „Ab jetzt geht es mit Volldampf los“, rief ihnen der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern zu. „Wenn man ein Turnier in den Sand gesetzt hat, müssen die Spieler in der Bundesliga zeigen, dass das ein Betriebsunfall war.“

Die Botschaft ging an die Adresse von Mats Hummels und Niklas Süle, Thomas Müller und Joshua Kimmich, Manuel Neuer, Sebastian Rudy und Leon Goretzka. Ein bisschen richtete sie sich auch an Jerome Boateng. Aber wahrscheinlich nicht mehr allzu sehr.

Dass sich zwischen den Bayern und ihrem Innenverteidiger eine Trennung anbahnt, zeichnete sich schon ab, bevor am Dienstagabend Meldungen von einem baldigen Wechsel zu Paris St. Germain die Runde machten. Noch sind Details ungeklärt, die etwa mit den Erfordernissen des „Financial Fairplay“ zu tun haben, das von den Franzosen üppige Transfereinnahmen verlangt, bevor sie selber wieder einkaufen gehen. Und natürlich mit den Vorstellungen der Bayern, welcher Kaufpreis für den Weltmeister angemessen ist.

An der grundsätzlichen Bereitschaft des Vereins aber, Boateng ziehen zu lassen, besteht schon länger kein Zweifel mehr. Nicht ohne Grund wies Rummenigge darauf hin, dass es „im Moment“ keinen Kontakt zwischen den Clubs gebe, wohl aber zwischen den Beratern des Spielers und PSG. Es kann jetzt alles ganz flott gehen. Vorausgesetzt halt, die Franzosen bieten eine „akzeptable“ Ablösesumme. Ab 50 Millionen Euro wären die Bayern wohl bereit.

Es würde in diesem Fall vermutlich nicht sehr lange dauern, bis die Planstelle wieder besetzt wäre. Praktischerweise soll sich der Rekordmeister für den kommenden Sommer ohnehin schon mit dem Stuttgarter Benjamin Pavard einig sein. Den Wechsel, der 2019 die festgeschriebene Ablöse von 35 Millionen Euro kosten würde, um ein Jahr vorzuziehen, würde zwar ein paar Euro kosten. Aber womöglich wäre es ziemlich genau jene Summe, die ein Boateng-Verkauf einbringen würde. Beide Weltmeister bewegen sich in einer ähnlichen Preisklasse.

Eine Verpflichtung gaben die Bayern in Philadelphia bereits bekannt. Spätestens zum Jahreswechsel wird Offensivspieler Alphonso Davies von den Vancouver Whitecaps nach München umziehen. Der 17-jährige Kanadier gilt aufgrund seiner Schnelligkeit und der guten Technik als Talent mit viel Potenzial, das die Bayern sich immerhin zehn Millionen Euro plus diverse erfolgsabhängige Zuschläge kosten lassen. Trainer Niko Kovac ist sich sicher, dass das Geld gut angelegt ist: „Er hat eine große Zukunft vor sich.“

Davies’ Gegenwart sieht noch so aus, dass er die Saison in der nordamerikanischen Major League beendet. Anschließend steigt er in München ins Training ein, wo er aber nicht als Alternative zu den verdienten Flügelläufern Robben und Ribery vorgesehen ist, sondern als Backup für deren Alternativen Coman und Gnabry. Alphonso Davies wird Geduld mitbringen müssen.

Es dürfte sich noch einiges tun im Münchner Kader, den man gerne um mehrere Spieler verkleinern würde. Nicht gemeint ist damit Thiago, dessen Wechselgelüste sich in den einschlägigen Foren hartnäckig halten, aber zu Rummenigge noch nicht vorgedrungen sind: „An der Geschichte ist nie etwas dran gewesen.“ Bei Arturo Vidal klingt er schon konkreter: „Wenn er den Club verlassen möchte, werden wir uns damit auseinandersetzen.“

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