Wer in Deutschlands dritter Fußball-Liga überleben will, muss trickreich sein. Carl Zeiss Jena hat 2009 seine Rasenheizung verscherbelt. Dynamo Dresden hat 2015 den FC Bayern überredet, mit seinen Stars für ein Benefizspiel anzureisen. Und vor ein paar Monaten erst, im Februar, hat der Hallesche FC tatsächlich ein Schnitzel-Essen für die Fans veranstaltet. So ist das mit manchen Profivereinen. Sie können sich diese Spielklasse nur leisten, wenn ihre Fans treu und hungrig genug sind, um sich für ihren Lieblingsclub ein paar Stücke Fleisch reinzustopfen.
Vor zehn Jahren hat der DFB die 3. Liga geschaffen. Und jetzt, da sie ab morgen mit großen Versprechungen die neue Saison eröffnet, muss man feststellen: Von den 20 Gründungsmitgliedern sind 13 rausgepurzelt aus dem Profifußball – und zum Teil bis heute nicht zurückgekehrt. Es ist daher nicht unpassend, was Engelbert Kupka, früher Präsident der SpVgg Unterhaching, gerade gesagt hat: „Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Drittligavereine entlang der Grenze zur Insolvenz schrammen. Die dritte Liga ist eine Insolvenzliga.“
Viele Betroffene haben berichtet, dass man dieser kostspieligen Liga – die Einnahmen sind gering, die Fixkosten (Stadion, Reisen) hoch – schnell entkommen muss. Das Problem ist nur: Wer ihr letztlich entflohen ist, tat dies oft in die falsche Richtung: nach unten, zu den Amateuren.
Trotzdem fiebern Fußballfans dem Start in diesem Sommer besonders entgegen: Um den Reiz der 3. Liga zu verstehen, muss man sich nur ein Spiel am Samstag herauspicken: Auf dem Betzenberg empfängt der 1. FC Kaiserslautern 1860 München. Mehr als 4500 Löwen-Fans haben sich bereits angekündigt. Das hat so viel Reiz, dass sich sogar die ARD die Übertragungsrechte geschnappt hat.
Der Charme der großen Namen darf aber nicht über die Zahlen hinwegtäuschen. Ein Beispiel: Jeder Drittligist erhält rund 1,2 Millionen Euro aus dem TV-Topf, die Zweitligisten zwischen sechs und 17 Millionen. Eine Differenz, die sehr ungesund ist. Die 3. Liga weckt bei ihren Vereinen sportliche Ambitionen, bleibt finanziell aber ein enormes Wagnis.