Demare rächt sich mit Etappensieg

von Redaktion

Tour de France: Der Franzose fühlte sich von Greipels Anschuldigung gekränkt – Sagan beißt auf die Zähne

VON CHRISTOPH LEICHTENBERG UND EMANUEL REINKE

Pau – Mitten im Siegestaumel hatte Arnaud Demare noch einen schönen Gruß an seinen neuen „Lieblingsfeind“ parat. „Ich muss Andre Greipel danken, denn heute habe ich sehr oft an ihn gedacht“, sagte der französische Sprinter nach seinem Sieg auf der 18. Etappe der Tour de France mit ironischem Unterton. Was Greipel ihm vorgeworfen habe, „ist nicht meine Philosophie vom Radsport“.

Der Zwist der beiden Weltklasse-Sprinter hatte gestern in Pau einen eindeutigen Sieger gefunden: Erst las Demare dem Rostocker Greipel nach dessen Schummel-Vorwurf via Twitter die Leviten, dann ließ der Franzose mit dem souveränen Triumph vor seinem Landsmann Christophe Laporte Taten folgen.

Und Greipel stand als doppelter Verlierer da. Der Deutsche, der schon vor einer Woche ausgestiegen war, hatte via Twitter gegen Demare geschossen. Dieser habe, wie Greipel andeutete, beim Schlussanstieg am Mittwoch dank der unerlaubten Hilfe eines Teamfahrzeuges lediglich neun Minuten auf Sieger Nairo Quintana verloren und sich damit irregulär im Zeitlimit gehalten. Greipel verwies dabei auf GPS-Daten.

Der beschuldigte Demare bestritt dies ebenfalls per Twitter vehement und bot Greipel zur Entlastung dezidierte Daten seines Rennens an. Wenig später ruderte der Deutsche zurück, löschte seinen Tweet und entschuldigte sich kleinlaut: „Lektion gelernt: Nicht über etwas twittern, an dem man nicht beteiligt ist.“ Demare zeigte sich dennoch mächtig verstimmt: „Das hat mich verletzt, der Schaden ist angerichtet.“ Nach seinem Etappensieg meinte: „Ich gebe immer alles, habe jeden Tag vor der Tour in den Bergen trainiert. Es war nicht einfach, aber ich habe es über die Berge geschafft. Die meisten Sprinter sind weg, ich bin noch da.“

John Degenkolb, der in Roubaix für den bislang einzigen deutschen Etappensieg gesorgt hatte, wurde gestern Siebter. „Ich war zu weit hinten, da hatte ich keine Chance mehr, vorne einzugreifen“, sagte er: „Die Beine sind aber gut.“ Degenkolb bleibt am Sonntag in Paris noch eine Chance. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich diese nutzen kann“, sagte er.

Der nach einem schweren Sturz am Vortag stark gehandicapte Weltmeister Peter Sagan (Bora-hansgrohe) kam auf Platz acht, mischte aber trotz starker Schmerzen im Sprint mit. Dem Slowaken, dem das Grüne Trikot rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist, geht es darum, bis Paris durchzuhalten – dennoch kämpfte er um den Etappenerfolg. „Er hat heute morgen gemeint, der Löwe regeneriert schneller als das Zebra“, sagte sein deutscher Helfer Marcus Burghardt.

Im Kampf um das Gelbe Trikot herrschte am Tag nach dem brutalen Bergsprint am Col du Portet wie erwartet Waffenstillstand. In der Gesamtwertung führt weiterhin der Brite Geraint Thomas (Sky) mit 1:59 Minuten Vorsprung auf den Niederländer Tom Dumoulin (Sunweb), Dritter ist Titelverteidiger Chris Froome (Großbritannien/Sky) mit 2:31 Minuten Rückstand. Die Entscheidung fällt auf den kommenden beiden Etappen. Heute führt die letzte Pyrenäen-Etappe über zwei Berge der höchsten Kategorie, morgen steht ein Zeitfahren über 31 km auf dem Programm.

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