Rückkehr als Jäger

von Redaktion

Der TSV 1860 startet auf dem Betzenberg in Kaiserslautern in die 3. Liga – 40 000 Fans erwartet

von simon nutzinger

München – Was sich in einem Jahr so alles ändern kann: Noch im Juli 2017 fuhr der TSV 1860 zum Auftaktspiel nach Memmingen. Regionalliga Bayern, 5000 Zuschauer – bittere Realität nach Doppelabstieg und Fast-Insolvenz. Dass sich der blaue Tross nun Freitagnachmittag auf den Weg nach Kaiserslautern machte, um am heutigen Samstag auf dem Betzenberg in seine erste Drittligasaison zu starten, ist für Daniel Bierofka noch immer schwer zu glauben. „Das ist fast schon surreal“, sagte der Löwen-Trainer auf der abschließenden Pressekonferenz. Aber auch wenn Bierofka noch etwas braucht, um es zu realisieren – 1860 ist zurück.

Der Auftakt vor vermutlich rund 40 000 Fans im Fritz-Walter-Stadion bietet den passenden Rahmen für die Heimkehr der Löwen in den Profi-Fußball. „Die Vorfreude in der Mannschaft ist extrem groß“, betonte Bierofka. Gegen die Lauterer Titelaspiranten könne sein Team gleich einmal zeigen, wo es als Aufsteiger in der neuen Liga steht. Dabei rechnet sich der Trainer durchaus Chancen auf mindestens einen Punkt aus. „Ich glaube, dass wir eine Mannschaft sind, die da was holen kann.“

Personell hat Bierofka die Qual der Wahl. Im 18-Mann-Kader war nicht Platz für jeden seiner Schützlinge. Diesmal traf es Nicholas Helmbrecht, Simon Seferings, Christian Köppel und Semi Belkahia. Sie spielen am Sonntag mit der Bayernliga-Mannschaft gegen Jahn Regensburg II. Überraschend fehlt auch Stürmer Markus Ziereis im Aufgebot. „Härtefälle wird es immer geben“, räumte Bierofka ein. Von den nichtberücksichtigten Spielern erwartet er eine professionelle Reaktion. „Sie dürfen es nicht persönlich nehmen.“ Die Saison sei mit 38 Ligapartien, plus Toto- und DFB-Pokal ohnehin extrem lang. „Wir werden noch jeden brauchen.“

Ein – zugegebenermaßen – schwacher Trost für Ziereis und Co.: Sie können entspannt im Schatten sitzen, während sich ihre Kollegen durch die Hitze quälen. Bis zu 40 Grad werden am Nachmittag erwartet. Eine Herausforderung, die Bierofka mit den Strapazen eines Marathons vergleicht. „Es wird der tote Punkt kommen, den jeder überwinden muss.“ Wichtig sei es, den ganzen Tag über viel zu trinken, nicht zu dehydrieren. Sorgen, dass seiner Mannschaft der Dampf ausgeht, macht sich Bierofka aber eh keine. „Von der Fitness sind wir gut aufgestellt“, sagte er – und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: „Wenn einer umfällt, wird er eben ausgewechselt.“

Auch wenn der Grund für einen Spielertausch hoffentlich ein anderer sein wird: Bierofka erwartet sich viel von seinen Jokern. Wie wertvoll ein neuer Impuls von außen sein kann, haben nicht zuletzt die Aufstiegsspiele gegen Saarbrücken gezeigt. Im Hinspiel legte Christian Köppel per Hacke den 3:2-Siegtreffer auf, im Rückspiel holte zunächst Benjamin Kindsvater einen Elfmeter heraus, ehe Simon Seferings zum 2:2 einschob. Das hat auch Bierofka nicht vergessen. „Die Spieler, die reinkommen, sind extrem wichtig“, betonte er. „Sie können den Unterschied ausmachen.“

Dass sich der TSV 1860 heuer in neuen Sphären bewegt, zeigen nicht nur die größeren Stadien. Auch das öffentliche Interesse ist gestiegen in Liga drei: Die ARD übertragt die Partie gegen Kaiserslautern live. Und Bierofka hat einen weiteren großen Unterschied zum Vorjahr ausgemacht. „Da waren wir stets die Gejagten – jetzt sind wir die Jäger.“ Eine Tatsache, die ihm durchaus gefällt.

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